Liebe Mitchristen,

 

vielleicht haben Sie einen der folgenden Sprüche schon einmal gehört, oder auch selbst benutzt: „Glück hat vier Buchstaben: M-E-E-R.“ oder „Alles, was ich brauche, ist eine kurze Pause am Meer.“ oder „Das Leben ist zu kurz für ohne Meer.“

 

Sprüche wie diese gibt es sprichwörtlich wie Sand am Meer. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie sprechen von der Sehnsucht nach dem Meer als einem Ort des Glücks, der Erholung und der Ruhe, wo man die Seele baumeln lassen, eine Atempause vom Alltag einlegen und sich den Wind um die Nase pusten lassen kann. Die Sorgen verlieren sich beim Anblick des unendlichen Horizonts und die Gedanken können wieder frei fließen. Und wenn wir ehrlich sind: Was gibt es Schöneres, als am Meer entlang zu spazieren, die Füße im weichen Sand zu spüren und sich den Kopf so richtig durchpusten zu lassen? Die Sehnsucht nach Meer packt uns – immer wieder.

 

In der kommenden Woche beginnen im Saarland und in Rheinland-Pfalz die Sommerferien. Nach vielen Wochen der Corona-Pandemie, die ja noch lange nicht überstanden scheint, sehnen sich viele Menschen geradezu nach einem Sehnsuchtsort wie dem Meer. Nach all der Zeit endlich mal wieder etwas anderes sehen, die Weite und Freiheit des Meeres erleben und sich die Gedanken von der Meeresbrise verstreuen lassen. Das alles sind allzu verständliche Perspektiven für den anstehenden Sommerurlaub, die ich sehr gut nachvollziehen kann.

 

Seit jeher hat die Weite des Meeres die Menschen tief beeindruckt. Auch die Bibel ist voll von Geschichten rund um das Meer, in denen seine Kraft erlebbar und die Macht des Göttlichen erfahrbar ist, denken wir nur an die Rettung des Volkes Israel vor den Ägyptern im Schilfmeer (Ex 14). Ich glaube, auch wenn heute wir aufs Meer schauen, kann es ein Ort der Gotteserfahrung sein.

 

Vor meiner Beauftragung zum Gemeindereferenten im Jahr 2017 habe ich auf der Insel Wangerooge eine Woche in Schweigeexerzitien verbracht – eine Zeit, die abseits des alltäglichen Lebens zu einer intensiven Besinnung und Begegnung mit Gott führen soll. In diesen sieben Tagen war ich täglich stundenlang am Meer unterwegs. In der Weite des Meeres, in der Kraft der Wellen und in der kräftigen Meeresbrise wurden Gottes Größe und Nähe für mich oftmals spürbar und erlebbar. Bis heute denke ich oft an diese stille, aber unheimlich schöne und guttuende Zeit zurück.

 

Besonders wenn ich mir die Bilder von damals anschaue, versuche ich, den Gefühlen von damals noch einmal nachzuspüren. Dabei bin ich mir sicher: Auch wenn ich in diesem Jahr das Meer nicht persönlich sehen werde und auch wenn mein Urlaub in diesem Jahr anders als ursprünglich geplant verläuft, so weiß ich doch, dass ich Gottes Nähe, Ruhe und Erholung überall dort finden kann, wo ich gerade bin. Ich muss mich nur auf IHN einlassen.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Ferien- und Urlaubsbeginn. Bleiben Sie gesegnet und gesund!

 

 

 

Markus Ullmann

Liebe Mitchristen

in den Ferien fahre ich gern ans Meer. Dann liebe ich es beim Sonnenaufgang am Strand spazieren zu gehen. Besonders gern mag ich es, wenn der Strand etwas felsig ist. Ich finde es faszinierend zu beobachten, wie die Wellen sich ihren Weg durch den Stein bahnen, etwas schneller hineinfließen und langsam wieder hinaus. Jede einzelne Welle bahnt sich ihren Weg über und durch den Stein, hinterlässt Spuren, prägt den Stein, kann ihn aber nicht zerstören. So bekommt er ein besonderes Aussehen, er wird unverwechselbar, bleibt aber stur stehen. „Er stand wie ein Fels in der Brandung“, ist eine bekannte Redewendung. Einem Felsen schreiben wir besondere Eigenschaften zu. Er ist stark, kann viel aushalten, lässt sich nicht einfach umwerfen, sondern steht Jahr und Tag sicher und zuverlässig an seinem Platz.

Am 29. Juni feiern wir das Fest „Peter und Paul“. Petrus heißt übersetzt der „Fels“. Auf ihn sollen wir uns verlassen können. Er gibt Halt, Sicherheit, ist beständig und unerschütterlich. Aber wenn wir in das Leben des Petrus schauen ist da nicht nur Selbstsicherheit und bedingungslose Nachfolge. Bei seiner Berufung war Simon bar Jona Fischer am See Genezareth. Ab diesem Zeitpunkt begleitet er Jesus auf seinen Wegen und wird zu einem engen Vertrauten. Er entwickelt sich zu einem wichtigen Wortführer und sagt, er würde Jesus sogar bis in den Tod folgen. Aber er war auch voller Widersprüche. Während eines Sturmes wandelt Jesus über den See Genezareth. Simon Petrus folgt ihm als Zeichen des Zutrauens auf die Wasseroberfläche – aber die Wellen erschrecken ihn, er verliert den Mut und droht unterzugehen. Jesus reicht ihm die Hand und rettet ihn aus dieser misslichen Lage. Immer wieder beteuert er seine unverbrüchliche Treue zu Jesus. Wir kennen jedoch alle die Passionsgeschichte. Als er gefragt wird, ob er Jesus kennt, verleugnet er ihn dreimal bevor der Hahn kräht und bricht in bittere Tränen aus, als ihm das bewusst wird. Und auf diesem Mann voller Widersprüche und Unzulänglichkeiten setzt Jesus! „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen.“ (Mt 16, 18) Jesus weiß, dass Menschen nicht perfekt sind, wir haben alle Fehler und tun nicht immer das Richtige. Wir zweifeln, unser Glaube wankt. Bei den Jüngern damals wie bei uns heute. Aber Jesus reicht uns immer wieder die Hand. Wir brauchen nicht zu verzweifeln und den Mut verlieren, wir dürfen uns geborgen fühlen.

Nach dem Tod Jesu baut Petrus die erste christliche Gemeinde in Jerusalem auf. Er vollbringt Wunder und unternimmt Missionsreisen zu den jungen Gemeinden an der Mittelmeerküste. Seines Glaubens wegen wird er immer wieder bedroht und verhaftet. In Rom erleidet der Apostel um das Jahr 64 während der Verfolgung der Christen durch Nero den Märtyrertod. Auf seinem Grab soll der Petersdom errichtet sein, der Sitz der Päpste, die sich auf die Nachfolge Petri berufen. Die unerschütterliche Treue Jesu gibt ihm den Mut und die Kraft. Er muss viel erdulden, aber er ist bereit zu seinem Wort zu stehen.

So kann er uns heute noch Mut machen. Wir alle haben Fehler und Schwächen, dürfen uns aber von Jesus geliebt und angenommen wissen. Dennoch sollten wir immer bemüht sein, Versprechen und Zusagen zu halten. Dann können auch wir für unsere Mitmenschen ein „Fels in der Brandung“ sein.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende!

Text: E. Finkler

Für die nächsten Tage

 „Frau Antje bringt

Käse aus Holland.“

 

Ich bin mir sicher, sehr viele von Ihnen erinnern sich noch an diese Figur aus der Fernsehwerbung. Werbung braucht Werbeträger, braucht Identifikationsfiguren, die sich aufgrund ihrer Art, ihrer Berühmtheit oder aufgrund von dem, was sie sagen, bei uns einprägen und mit ihnen auch das beworbene Produkt. Nicht umsonst kennen immer noch viele Klementine aus der Waschmittelwerbung, oder Herrn Angelo aus der Cappuccinowerbung, der säuselt: „Ich habe gar kein Auto Signorina.“

 

Und einige unter Ihnen kennen auch sicherlich noch das HB-Männchen. Und auch heute sucht die Werbung Identifikationsfiguren. Fußballmanager werben für ein Flügeportal im Internet, Unmengen von Models werben für Kosmetik oder fettfreie Gummibärchen, Fußballreporter für Weizenbier, usw..

 

Und alles dient dem einen Zweck, dass diese bekannten Figuren das Produkt bekannt machen sollen und auf die dringende Notwendigkeit hinweisen, dass man es unbedingt zum Leben braucht.

 

Eine der ersten Werbefiguren der Geschichte ist wohl der Mann, dessen Fest wir heute feiern. Er war dazu bestimmt Jesus bekannt zu machen, er hat am Jordan Menschen versammelt, um ihnen Jesus anzukündigen und ihnen zu sagen, dass dieser Jesus und seine Botschaft für ihr Leben unendlich wichtig ist. Sein Tun, seine Botschaft, sein Wesen waren Werbung für Jesus.

 

Heute ist es an uns, Werbeträger für Jesus zu sein. Heute ist es an uns, mit unserer Person, unserem Reden und Tun auf Jesus hinzuweisen und ihn den Menschen anzubieten, weil er so wichtig, seine Botschaft so kostbar, sein Werk so lebensnotwendig ist.

 

Heute ist es an uns, den Menschen von Gott zu erzählen, von dem wir wissen, dass er nicht irgendein tolles Produkt ist, sondern Schöpfer, Heiland und Erlöser.

 

Und jeder von uns kann Webeträger für Jesus sein, dort, wo er lebt, dort, wo er handelt.

Frau Antje bringt Käse aus Holland und wir Jesu Botschaft zu den Menschen.

„Erzähl das mit dem Traum….“

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der gewaltsame Tod von George Floyd bewegt die Menschen in den USA weiterhin sehr: sie gehen massenhaft auf die Straßen, demonstrieren gegen Rassismus und brutale Gewalt gegen die afroamerikanische Bevölkerung und fordern Veränderungen. In Washington DC demonstrieren tausende Menschen unter anderem vor dem Weißen Haus, dem Kapitol, am Lincoln-Memorial und am Martin-Luther-King-Memorial.  Floyd war wegen des Verdachts, in einem Laden in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Aufgrund des brutalen Vorgehens eines Polizeibeamten verstarb er.

 

Diese Demonstrationen strahlen in die ganze Welt aus und lassen Menschen auf die Straßen gehen. Und das nicht erst seit „Floyd“. So hat der bekannte Pastor und Prediger Dr. Martin Luther King jr. schon vor 60 Jahren immer wieder seine Stimme gegen Gewalt und Unterdrückung erhoben. Eine seiner berühmtesten Reden, „I have a Dream“, hat er 1963 genau dort gehalten, wo heute die Menschen demonstrieren: am Lincoln Memorial. Mehr als 200.000 Menschen sind zu einer Veranstaltung gekommen, bei der es um die völlige Gleichstellung der weissen und afroamerikanischen Bevölkerung geht.

 

Der Baptisten-Pastor Dr. Martin Luther King jr. tritt ans Podium und hält vor der Menschenmenge seine Rede. Er liest ab, doch   der Funke will nicht überspringen. Das merkt auch King. In die Kunstpause, die er setzt, reagiert jemand: es ist die wohl grösste amerikanische Gospelsängerin und eine enge Freundin Kings, Mahalia Jackson: „Tell 'em about the dream, Martin!“ - „Erzähl das mit dem Traum,“ ruft sie ihm zu.

 

Was dann passierte, ist bekannt. Die Menge wird mitgerissen, und 200.000 Menschen sind begeistert bei ihm. Kings Rede wird als eine der besten Reden des 20. Jahrhunderts gefeiert, und „I have a dream…“ hat sich zum Mythos verselbstständigt.

 

So möchte ich Ihnen die wichtigsten Worte dieses „Mythos´“ für die kommenden Tage mitgeben:

 

„Ich habe einen Traum, dass eines Tages auf den roten Hügeln von Georgia die Söhne früherer Sklaven und die Söhne früherer Sklavenhalter miteinander am Tisch der Brüderlichkeit sitzen können.

 

Ich habe einen Traum, dass sich eines Tages selbst der Staat Mississippi, ein Staat, der in der Hitze der Ungerechtigkeit und Unterdrückung verschmachtet, in eine Oase der Gerechtigkeit verwandelt.

 

Ich habe einen Traum, dass meine vier kleinen Kinder eines Tages in einer Nation leben werden, in der man sie nicht nach ihrer Hautfarbe, sondern nach ihrem Charakter beurteilen wird.

 

Ich habe einen Traum heute...

 

Ich habe einen Traum, dass eines Tages in Alabama mit seinen bösartigen Rassisten, mit seinem Gouverneur, von dessen Lippen Worte wie "Intervention" und "Annullierung der Rassenintegration" triefen ..., dass eines Tages genau dort in Alabama kleine schwarze Jungen und Mädchen die Hände schütteln mit kleinen weißen Jungen und Mädchen als Brüdern und Schwestern.

 

Ich habe einen Traum, dass eines Tages jedes Tal erhöht und jeder Hügel und Berg erniedrigt wird. Die rauhen Orte werden geglättet und die unebenen Orte begradigt werden. Und die Herrlichkeit des Herrn wird offenbar werden, und alles Fleisch wird es sehen. Das ist unsere Hoffnung. Mit diesem Glauben kehre ich in den Süden zurück.

 

Mit diesem Glauben werden wir fähig sein, zusammen zu arbeiten, zusammen zu beten, zusammen zu kämpfen, zusammen ins Gefängnis zu gehen, zusammen für die Freiheit aufzustehen, in dem Wissen, dass wir eines Tages frei sein werden.“

 

Haben auch Sie einen Traum?

Erzählen Sie das mit dem Traum!

Es könnte wichtig sein.

 

Oder behalten Sie es für sich, aber in jedem Fall:

Verlieren Sie nicht die Fähigkeit zu träumen!

 

Ihnen allen gute Träume!

 

Herzliche Grüße

Heri. Barzen

Für die nächsten Tage

Vor einigen Tagen ist mir das Buch „Mandela und Nelson“ von Hermann Schulz in die Hände gefallen. Es ist 2010 erschienen, als die Fußball Weltmeisterschaft, die zum ersten Mal auf dem afrikanischen Kontinent stattfand, Menschen auf der ganzen Erde begeisterte. Dieses kleine Buch wurde damals in vielen Schulen gelesen, denn es berichtet auf ziemlich humorvolle Weise von einem besonderen Fußballspiel. Eine deutsche Jugendmannschaft kommt in das afrikanische Tansania und dort soll am Ende ein Fußballländerspiel stattfinden. Aber die Kinder haben mit vielen Problemen zu kämpfen. Da ist ein nahezu unbespielbarer Platz, keine Tore, keine Markierungen, manchmal laufen Kuhherden über den Platz. Die Spieler haben keine Trikots und keine Fußballschuhe und – können nur selten trainieren. Die meisten dieser jungen Akteure müssen nämlich noch arbeiten und zum Familienunterhalt beitragen. Sie putzen beispielsweise Fische und nehmen sie aus, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Aber jetzt haben sie ein Ziel: Fußball gegen eine deutsche Mannschaft spielen. Und sie setzen alle Hebel in Bewegung, um das zu schaffen. Sie bereiten den Platz vor, suchen sich einen Trainer und trainieren in jeder freien Minute. Insgesamt ist es ein Buch, das viele Missstände aufzeigt, ohne den Zeigefinger zu erheben. Es ist unglaublich bewundernswert, wie die Protagonisten ihr Leben meistern und Lösungen für ihre Probleme finden. Es ist zwar ein Buch für Kinder, aber ich halte es auch für Erwachsene durchaus lesenswert.

 

Liebe Mitchristen, der 12. Juni ist der Tag gegen die Kinderarbeit. Wir sollten einen Moment innhalten und uns bewusst machen, dass derzeit geschätzte 152 Millionen Kinder arbeiten müssen, damit die Familie überleben kann. Eine unglaubliche Zahl, hinter der sich viele Einzelschicksale verbergen! Oft sind es gefährliche bzw. gesundheitsschädigen Arbeiten, die Kinder verrichten müssen auf Müllhalden oder in Kobaltbergwerken oder sie müssen stundenlang dieselben Handgriffe tätigen. Dabei geht die Kindheit verloren und es besteht kaum eine Chance, dass diese Kinder einen Beruf erlernen können, um später die eigenen Kinder ausreichend ernähren zu können. Ein Teufelskreis. Und das, obwohl es zugesicherte Kinderrechte der UN gibt. In diesem Jahr wird die Situation sicher noch verschärft von der Corona-Krise, die nicht nur bei uns große Auswirkungen auf das Familienleben hat und die Kinder sehr stark eingeschränkt hat, sondern besonders auch die Kinder und Familien in den ärmeren Ländern Südamerikas und Afrikas, die der Situation oft schutzlos ausgesetzt sind. Es besteht die Gefahr, dass sich das Problem der Kinderarbeit verstärkt.

 

„Lasst die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich!“ (Mt 19,14) Dieser Ausspruch Jesu erinnert uns daran, unsere Kinder ernst zu nehmen und so zu nehmen wie sie sind. Die Ungerechtigkeiten auf der Welt können wir nicht beseitigen, aber wir können uns darum bemühen, unseren Kindern hier ein kindgerechtes Leben zu ermöglichen. Zumindest in unserem Land sollten wir dafür sorgen und darauf dringen, dass die Kinderrechte eingehalten werden. Dazu gehört, dass alle Kinder materiell versorgt sind, keiner Gewalt ausgesetzt sind, sie sollten vor wirtschaftlicher und sexueller Ausbeutung geschützt werden, Zugang zu Bildung haben und das Recht auf Freizeit und Spiel. Leider ist das auch in unserer Heimat nicht immer gewährleistet.

 

Manchmal würde ich gern wie Tim Bendzko singt „nur noch kurz die Welt retten“, aber das geht ja leider nicht. Aber Augen, Ohren und Herz offen halten, damit es unseren Kindern hier gut geht und sie sich gemäß ihrer Vorlieben, Fähigkeiten und Möglichkeiten frei entwickeln können, das kann ich. Und ich wünsche mir, dass wir alle als Menschen und Christen immer wieder hinschauen und mutig eingreifen, wenn wir Kinder in Gefahr sehen.

 

Ich wünsche Ihnen und Ihren Familien ein gesegnetes Wochenende und einen guten Start in die neue Woche!

Bild und Text: E. Finkler

Für die nächsten Tage...

Liebe Leserinnen und Leser,

 

das Bild, das Sie sehen, zeigt einen Teil der Strandpromenade des italienischen Ortes Porto Venere in der Nähe der Stadt La Spezia. Es ist ein Urlaubsbild, mit dem ich manch schöne Erinnerung verbinde. Es war ein schöner Urlaub, lehrreich, erholsam, sehr ruhig, lecker…. Ich denke immer noch gerne daran zurück und, wenn ich mir die Bilder aus diesem Urlaub anschaue, mir die Momente in Gedanken vor Augen führe, manche Begegnung, manches Erlebnis mir wieder gegenwärtig wird und im Hintergrund dann noch das Lied „il Volo“ in der Version des Sängers Zucchero aus dem Lautsprecher perlt, dann bin ich für einen kurzen Moment an der Riviera de Levante in meinem geliebten Italien, sitze in einem wundervollen Örtchen, das kaum ein Tourist je zuvor gesehen hat, auf der Piazza, genieße einen Espresso im Stehen an einer Bar oder Ähnliches. Für diesen kurzen Moment wird die Erinnerung wieder lebendig, und ich will in Anlehnung an Johann Wolfgang von Goethe sagen: „Augenblick verweile doch, du bist so schön.“ Doch was macht der Augenblick? Er geht vorüber. Das ist doch die Grunderfahrung unseres Lebens, es bleibt nicht stehen, es geht weiter, es muss weitergehen, es wird weitergehen.

 

Wir können nichts festhalten. Schon der griechische Philosoph Heraklit (+ um 460 v. Chr.) fasste dies in seinen bekannten Worten zusammen: „Panta rhei.“ – „Alles fließt.“ Und er ergänzte es in seinem Flussbeispiel: „Man kann nicht zweimal in denselben Fluss steigen.“ So wie das Wasser im Bach immer in Bewegung ist, so sind alle Dinge, Lebewesen und Erscheinungen in der Welt immer in Veränderung begriffen. Nichts bleibt wie es ist. Und sicher Geglaubtes stellt sich als zerbrechlich heraus.

 

Das Erleben wir immer wieder in der Gesellschaft, in der Wirtschaft, in der Politik, in der Medizin, in der Kirche. Corona-Pandemie, Alltagsrassismus, Flüchtlingskrise, Rezession, Konjunkturprogramm, Bistumssynode…. Schlagwörter aus den verschiedensten Bereichen, die uns genau das vor Augen führen. Es braucht nicht viel, und alles Gewohnte, Vertraute und als sicher Geltende verabschiedet sich.

 

Der schöne Augenblick bleibt nicht, das ist die unschöne Nachricht. Aber auch der schreckliche Augenblick vergeht, und das ist die gute Nachricht.

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

auch die Medaille der Vergänglichkeit hat zwei Seiten. Das Schöne vergeht, oft viel zu schnell, aber auch das Dunkel weicht, vielleicht langsamer als wir es wollen, aber doch stetig.

 

„Panta rhei“ alles fließt, und man steigt nicht zweimal in denselben Fluss. Richtig!

 

Wir leben aber immer mit demselben Gott, der ist, der war und der sein wird. Das ist die Konstante. Das Feiern wir in dieser Fronleichnamswoche. Gott unter den Menschen, wirklich, wahrhaftig, gestern, heute, morgen!

Mittwochesimpuls (03.06.20)

Liebe Mitchristen,

 in den letzten Tagen überschatten viele schlimme und traurige Meldungen die Nachrichten. Nicht mehr nur das Coronavirus steht im Mittelpunkt, sondern auch die teils massive Gewalt gegen Demonstranten. In den USA protestieren seit dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd landesweit Menschen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Polizisten und Nationalgarde gehen teilweise mit Gummigeschossen und Tränengas gegen friedliche Protestierer vor, damit sich der Präsident des Landes mit einer Bibel in der Hand vor einer Kirche ablichten lassen kann. Ein Bild, das ich unglaublich verstörend finde, symbolisiert es doch, dass er scheinbar Herr über (göttliches) Recht und Ordnung ist und es im Zeichen der Bibel in den Händen hält. Gleichzeitig droht er den Demonstranten mit dem Einsatz der Armee und forciert damit den Weg einer weiteren Eskalation.

 

 

Der chinesischen Staatsführung sind die Freiheitsbestrebungen der Menschen in Hongkong suspekt, daher lässt sie seit Tagen gegen Demonstranten vorgehen, die gegen das am vergangenen Freitag auf den Weg gebrachte "Sicherheitsgesetz" auf die Straßen gehen. Viele Bürger der Sonderverwaltungszone befürchten, dass durch das Gesetz ihre Rechte massiv eingeschränkt und ihre besonderen Freiheiten beendet werden sollen. Doch trotz aller Gewalt, trotz drohenden „Umerziehungslagern“ und Gefängnis, stehen die Menschen zu ihren Überzeugungen und nehmen dabei sogar den eigenen Tod in Kauf.

 

 

So ähnlich muss es auch dem Völkerapostel Paulus gegangen sein, in dessen Brief an Timotheus wir in der heutigen Lesung (2 Tim 1, 1-3.6-12) hören, dass er aufgrund seines Glaubens im Gefängnis sitzt: „Schäme dich also nicht, dich zu unserem Herrn zu bekennen; schäme dich auch meiner nicht, der ich seinetwegen im Gefängnis bin (…)“ (2 Tim 1,8a). Im weiteren Verlauf des Briefes spricht er auch über seinen nahenden Tod (2 Tim 4), doch auch das lässt ihn nicht verzagen. Im Gegenteil macht er den Adressaten und Lesern des Briefes Mut, für das einzustehen, was ihnen wichtig ist: das Evangelium. Das ist die Frohe Botschaft Jesu, die von Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe erzählt.

 

 

Auch wir werden in unserem Leben immer wieder dazu aufgefordert, zu unseren Überzeugungen zu stehen, uns für das einzusetzen, was uns im Leben wichtig ist – sei es die Freiheit, die Würde des Menschen, die soziale Gerechtigkeit, der Weltfrieden, oder unser Glaube. Gerade in diesen Tagen nach Pfingsten kann uns dabei folgender Satz des Hl. Paulus Mut machen: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim 1,7).

 

 

Ich lade Sie ein, an diesem Tag um diesen Geist der Kraft, der Liebe und Besonnenheit und in besonderer Weise für alle Menschen zu beten, die aufgrund ihres Glaubens oder ihrer Überzeugungen verfolgt, verletzt oder getötet werden.

 

 

Markus Ullmann

Echternacher Gebet zum hl. Willibrord

 

Heiliger Willibrord, dich ehrt die Kirche als rastlosen Verkünder des Evangeliums. Die Liebe Christi drängte dich, deine Heimat zu verlassen, um das Licht des Glaubens in die Finsternis zu tragen. Wir danken Gott für dein apostolisches Wirken unter den Friesen und den benachbarten Völkern. Wir danken besonders für deine Klostergründung in Echternach, von der so großer Segen ausging.

 

Heiliger Willibrord, dein Grab in unserer Mitte ist für uns eine heilige Verpflichtung, die christliche Botschaft aufzunehmen und weiterzutragen. Hilf uns, den reinen Glauben zu leben. Bitte für die ganze Kirche, das Volk Gottes und seine Hirten, für die Einheit der Getauften und für den Frieden unter allen Menschen. Sei unser Fürsprecher im Gebet für apostolische Berufungen: für Seelsorger in der Heimat und Missionare in aller Welt, für Priester und Laien in den christlichen Gemeinden. Heiliger Willibrord, eifriger Ausleger der Lehre Christi, tritt für uns ein, damit wir erhört werden durch Christus, unseren Herrn. Amen.

beGEISTert

In Deutschland wissen 61 % der Bevölkerung nicht, was wir am Pfingstfest eigentlich feiern. Die meisten verwechseln das Pfingstfest mit dem Fest der Auferstehung, also Ostern, oder - noch etwas unpassender - mit dem Gedenken an den Tod Jesu, also Karfreitag.

 

Vielleicht liegt das daran, dass das Fest von der Herabkunft des Geistes als Geburtsstunde der Kirche nicht zu den Erfahrungen der Menschen passt: Sie erfahren weder sich noch die Kirche als geisterfüllt; und oft schon gar nicht als begeisternd.

 

Das sollte uns schon ein wenig nachdenklich stimmen. Vielleicht liegt das daran, dass  wir als Kirche, so wir wie wir wahrgenommen werden, vor allem von Moral sprechen. Religion erscheint so doch oftmals als besondere Moral, wenn was von uns zu hören ist, dann doch meistens von Moral. Natürlich können wir Christen zu vielem, was sich in unserer Gesellschaft abspielt, nicht einfach schweigen.

 

Aber es ist schon fatal, wenn wir uns nur in solchen Situationen zu Wort melden. Denn das erste unseres Glaubens ist nicht die Moral, sondern der Geist.

 

Die Jünger, die verängstigt und alleingelassen im Abendmahlssaal den Heiligen Geist empfangen, predigen ja auch nicht als erstes eine neue Moral: "Liebe Juden, Griechen und Sonstige, voller Freude verkünden wir Euch die neuen christlichen 613 Gebote!" Was gut und was schlecht ist, haben die Menschen - zumindest in Ansätzen - immer gewusst. Das Problem ist, dass uns immer wieder die Kraft und Ausdauer dazu fehlt.

 

Was fehlt, ist nicht die Moral, sondern der Geist. Deshalb ist Pfingsten ein Hochfest - nicht nur eine kleine Gedenkveranstaltung für eine biblisches Ereignis.
Davon sollten wir reden: Dass wir auch keine besseren Menschen sind, aber dass wir eine Kraftquelle haben, die niemals versiegt..
Davon sollten wir reden: Dass wir als erlöste Christen auch nicht jeden Tag zu jeder Stunde vergnügt lächeln; aber dass wir eine Freude haben, die uns selbst in den dunkelsten Stunden nicht verzweifeln lässt.
Davon sollten wir reden: Dass wir dankbar sind, unseren Glauben zu haben. Dass wir dankbar sind, glauben zu dürfen. Dass wir gerne zur Kirche gehören. Dass wir uns auf den Himmel freuen und das Leben hier als einen Vorgeschmack darauf genießen. Dass uns Gott allein genügt.

 

Liebe Schwestern und Brüder, selbstverständlich müssen wir von unserer Moralvorstellung sprechen. Aber noch mehr von dem Geist, der uns hilft, all das zu leben - und dazu noch mit Begeisterung, mit Freude und einer Leichtigkeit, die uns nur Gott schenken kann.

 

K. Quirin

Liebe Leserinnen und Leser,

Kinder fragen gelegentlich: „Was ist dein Lieblingstier?“

Ich antworte dann: „das Pinselohrschwein.

Das ruft Verwunderung hervor.

Bei solchen Fragen rechnet man mit den Antworten Hund, Katze, Wellensittich…. vielleicht noch Elefant oder Tiger…; aber Pinselohrschwein?

Das kommt unerwartet.

So ist es auch mit Gott. Am Pfingstfest bitten wir um das Kommen des göttlichen Geistes.

Gottes Geist kommt und er wirkt, aber nicht immer, wie wir es erwarten.

Bleiben wir offen für den göttlichen Geist, dass er unser Leben durchweht und ändert, nach seinem Willen und nicht nach unserer Erwartung.

 

Komm,

Sturmwind des Geistes,

zerbrich die selbstgemachten Häuser,

die uns doch nicht bergen können.

Führ uns hinaus aus unsern Kerkern,

beheimate uns

im ewigen Haus!

Komm,

Sturmwind des Geistes,

bring zum Erlöschen die künstlichen Lichter,

die uns erblinden ließen für das wahre Licht.

Gib uns

den klaren Blick!

Komm,

Sturmwind des Geistes,

überflute die Dämme, mit denen wir uns abgesichert haben

gegen den Einbruch des Himmels.

Befreie uns aus unsren Wüsten!

(Antje Sabine Naegeli)

Bild: K. Quirin

„Es ging in meinem Leben um die Rückkehr.“

 

Buzz Aldrin

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als ich in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai nicht schlafen konnte, schaute ich aus dem Fenster und blickte in den Himmel. Aus den Medien wusste ich, dass ein besonderes Ereignis am Nachthimmel zu beobachten war: der „Supermond“. Der volle Mond kommt der Erde ganz besonders nah. Genauer gesagt, war er 359.654 Kilometer entfernt von unserer Erde.

 

Ich finde es geradezu phantastisch, wie exakt die Wissenschaftler heute Dinge berechnen können. Noch phantastischer finde ich, was alles möglich ist, um den Weltraum zu erkunden, wie man etwa der Frage nachgeht, ob und wo es im Weltraum noch weiters Leben geben könnte. Plötzlich kam mir die Erinnerung an die erste bemannte Mondlandung vor fast 51 Jahren. Ein herausragendes Ereignis. Weltbekannt ist Neil Armstrong mit seinem berühmten Satz, den ich hier nicht zitieren möchte.

 

Weniger bekannt ist der „ewige Zweite“, Buzz Aldrin, der zwanzig Minuten nach Armstrong den Mond betrat. Man sagt, nicht die Mondlandung sei das Problem gewesen, sondern die Rückkehr zur Erde und das Leben danach. "An einem Tag bist du der große Held, und am nächsten Tag sitzt du im Auto und bekommst von einem Polizisten einen Strafzettel, weil du zu schnell unterwegs warst", sagte er einmal.

 

Es gibt große „Helden“ der Geschichte, wie Armstrong Aldwin und Collins oder auch Magellan, Elcano, Amundsen, Hillary und viele, viele andere. Es gibt viele, die großes geleistet und berühmte Worte gesprochen haben. Aber alle haben mit Sicherheit auch die Erfahrung machen müssen, dass es im Leben nicht nur Höhen, sondern auch Tiefen gibt. Das nicht ganz so berühmte, oben erwähnte Zitat von Collins spricht davon.

 

Als ich vor einigen Wochen nachts aus dem Fenster schaute, wurde ich auf einmal ganz still, fast melancholisch, weil ich mir plötzlich so klein vorkam. So oder ähnlich mag es auch dem Schreiber von Psalm 8 gegangen sein, als er in den Himmel schaute. Er wusste nichts von all den wissenschaftlichen Erkenntnissen, die wir heute über den Kosmos haben. Er fühlte  aber, dass der Weltraum unendlich groß im Vergleich zum Menschen ist, und er stellt sich die Frage, welche Bedeutung der Mensch im großen Weltall überhaupt hat:

 

„Schaue ich hinauf zum Himmel,

staune ich über das Werk deiner Finger.

 

Betrachte ich den Mond und die Sterne, …

 

So frage ich: Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst? …“

Nach dieser Frage, die wir uns alle schon mal gestellt haben, gibt er prompt die Antwort:

So hast du den Menschen geschaffen: Kaum geringer als Gott!

Du schmückst ihn mit einer Krone, die … Würde verleiht.“

 

Ich bin gespannt darauf, welche neuen Erkenntnisse aus dem Weltall ich noch erleben werde. So werde ich nie zum Mond fliegen, höchstens in Gedanken und meiner Phantasie. Vielleicht ist es am schwierigsten nach einer „Reise zum Mond“ wieder auf die Erde zurückzukehren.

„Es ging in meinem Leben also nicht so sehr um die Reise zum Mond, sondern um die Rückkehr zur Erde.“

Buzz Aldrin

 

Ihnen allen eine gute Reise und eine wohlbehaltene Rückkehr

 

Herzliche Grüße

Heri. Barzen.

Photo: H. Barzen

Für uns ist es heute selbstverständlich, dass evangelische und katholische Christen gemeinsam auf dem Weg sind und gemeinsame Gottesdienste und Kirchentage feiern. Ökumene ist für uns heute kein Fremdwort mehr, auch wenn sie von Region zu Region unterschiedlich ausgeprägt ist. Noch vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil wäre Vieles undenkbar gewesen. Vorurteile, Spaltung und gegenseitiges Misstrauen beherrschten das „Miteinander“, wenn man manche Erzählungen der damaligen Generationen hört. „Schau nicht in die evangelische Kirche hinein, sonst wirst du blind!“, wurde meiner Mutter als Kind von den Erwachsenen gesagt und der Schulhof war mit einer Linie nach Konfessionen getrennt.

 

Vor 25 Jahren, am 25. Mai 1995 unterzeichnete der heilige Papst Johannes Paul II die Enzyklika Ut unum sint („Dass sie eins seien“). Er bekräftigt darin den Wunsch nach der Einheit aller Christen und fordert die Konfessionen zum Dialog auf.

 

Auch im heutigen Tagesevangelium (Joh 17, 20-26) betet Jesus zu seinem Vater um die Einheit aller christgläubigen Menschen: „Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns sein (…).“ (Joh, 17,21a). Ja, wir können sagen, Jesus hinterlässt hier sein ökumenisches Vermächtnis. Die Einheit hier meint nicht Einheitlichkeit, sondern ist eine Brücke, welche die Verschiedenheit der Gläubigen verbindet. Eine solche Einheit ist nicht etwa nur Utopie, sondern sie liegt begründet in der Einheit des Vaters mit dem Sohn.

 

Auch für uns heute braucht es immer wieder erklärende Brücken, um das Gebet Jesu in unsere Wirklichkeit zu übertragen und seine Bitte um Einheit als sein Vermächtnis für uns zu verstehen und umzusetzen. Jede/r Einzelne von uns kann sich um Einheit mit ihren/seinen Mitmenschen bemühen. Ja, wir können schon im Kleinen Brücken schlagen. Was wir im Kleinen beginnen, kann sich im Großen entwickeln und entfalten.

 

Markus Ullmann

 

Bild: Peter Weidemann In: Pfarrbriefservice.de

HUMOR IST…

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wir leben in ernsten Zeiten!

Darum lassen Sie uns dringend über Humor sprechen.

 

Humor ignoriert das Ernste nicht!

Humor übergeht das Dunkel nicht!

Humor nimmt dem Leben nichts von seiner Schwere,

der Situation nichts von ihrer Bedrohung, der Reaktion nichts von ihrer Angemessenheit.

Aber:

Wer Humor besitzt, kann darüber lächeln, dass Wunsch und Wirklichkeit oft auseinanderklaffen. "Insofern hat Humor immer auch einen Bezug zur Endlichkeit und Begrenztheit alles Irdischen. Die Schöpfung ist eben nicht vollkommen, wäre sie es, wir bräuchten keinen Humor", schreibt Pfarrerin Henriette Crüwell in ihrem Aufsatz "Hat Gott Humor?" Sie ist sich gewiss, dass Humor alles andere als ein Zeitvertreib sei, sondern vielmehr die Anerkennung um Zeitlichkeit. Der humorvolle Mensch lache eben trotzdem. Er wisse um die Endlichkeit des Lebens und nehme sie entsprechend heiter und gelassen an.

Das ist kein Leichtsinn! Das ist Gottvertrauen und das wünsche ich uns allen.

Kai. G. Quirin

Wenn wir zurück an unsere Kindheit denken, fallen uns direkt auch einige „Helden“ ein. Eine Heldin wurde in der letzten Woche 75 Jahre alt: Pippi Langstrumpf. Wir alle haben die Geschichten geliebt! Auf der einen Seite haben wir sie bewundert, denn sie musste sich an keine Regeln halten, war so stark, dass sie ein Pferd in die Höhe stemmen konnte, musste nicht in die Schule gehen, konnte einen ganzen Süßigkeitenladen leerkaufen und selbst Backen und Putzen waren lustig bei ihr. Ab und zu gab es auch melancholische Momente, wenn es darum ging, dass sie allein war. Die Mutter tot und der Vater in einem fernen Land. Das machte dann nachdenklich. Wenn ich heute die Geschichten von Pippi lese, fällt mir immer mehr auf, dass sie eine Anleitung zu einem glücklichen Leben sein können. Zum Beispiel hat sie mal gesagt: „Warte nicht darauf, dass die Menschen dich anlächeln… Zeige ihnen, wie es geht!“ Das sollten wir uns zu Herzen nehmen! Wenn wir anderen positiv gegenübertreten und freundlich sind, begegnen uns die Mitmenschen auch mit einem Lächeln. Ich selbst muss aktiv werden, dann ist der erste Schritt getan. Eine ähnliche Aufforderung hat Jesus für uns mit der Goldenen Regel: „Behandle jeden Menschen so, wie du von ihm behandelt werden möchtest!“ Jeder möchte freundlich, gerecht und nett behandelt werden. Hält sich jeder daran, dann sind alle glücklich.

 

Ein weiteres beeindruckendes Zitat ist: „Das haben wir noch nie gemacht, also geht es sicher gut!“ Was auf den ersten Blick unlogisch erscheint, ist auf den zweiten Blick eine tolle Mischung aus Mut, Selbstvertrauen und positiver Lebenseinstellung. Wie oft haben wir Angst vor einer neuen Situation, davor etwas Neues zu lernen oder auszuprobieren? Pippi wagt sich an neue Situationen heran, ist mutig und traut sich selbst etwas zu. Und weil sie so gern Neues ausprobiert, ist es ihr und ihren Freunden Tommy und Annika auch nur selten langweilig. Daran können wir uns ein Beispiel nehmen! Wer sich in seinem Schneckenhaus vergräbt und sich nichts zutraut, verpasst das halbe Leben! Wenn wir in das Neue Testament schauen, finden wir zahlreiche Geschichten, in denen Jesus genauso mutig und selbstbewusst handelt. Versetzen wir uns mal in seine Lage, als er über den See Gennesaret geht. Das war für ihn nur möglich, weil er an seine eigenen Kräfte und Fähigkeiten geglaubt hat. Über das Wasser gehen sollten wir besser nicht, aber ohne Furcht an neue Aufgaben herangehen, das ist ein Ansporn, den wir an uns haben können.

 

Zum Schluss noch ein weiteres Zitat: „Zuviel Gelehrsamkeit kann selbst den Gesündesten kaputtmachen.“ Auch Pausen müssen sein, immer nur durchpowern geht nicht! Zuviel Stress macht krank, ab und an sollte man Denkpausen einlegen und etwas tun, was Spaß macht. Dazu fällt mir das Sabbatgebot ein: Am 7. Tag sollen wir ruhen und uns von den Anstrengungen des Alltags erholen.

 

Pippi ist nicht nur eine unglaublich lustige, starke und phantasievolle Heldin. Ihre Bücher sprühen auch vor Lebensweisheiten, aus denen wir viel lernen können. Und bei genauem Hinsehen gibt es zahlreiche Verbindungen zu unserer christlichen Lehre – auch wenn auf den ersten Blick extreme Gegensätze aufeinanderprallen!

Bild und Text: E. Finkler

Kintsugi:

Wenn Zerbrochenem neues Leben eingehaucht wird

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als ich vor einigen Jahren im Krankenhaus Besuch bekam, brachte mir ein Bekannter ein besonderes Geschenk mit: es war eine wunderschöne Schale mit einer besonderen Goldverzierung, eine „Kintsugi-Schale“. Bei eben dieser besonderen Verzierung handelt es sich aber um keine Verzierung, sondern um eine Bruchstelle. Die kleine Schale war also zerbrochen und mußte repariert werden. Jeder kennt das, wenn etwas nicht mehr im Originalzustand ist, erst recht, wenn dieser Gegenstand zerbrochen ist: die Wertigkeit ist entweder erheblich gemindert, oder man entsorgt ihn einfach.

 

So erging es einem Shogun im 15. Jahrhundert, dem eine Teeschale aus Versehen zerbrach. Er schickte diese zur Reparatur nach China, war jedoch von dem schlechten Ergebnis enttäuscht. Daraufhin legte er japanischen Kunsthandwerkern ans Herz, eine ästhetisch ansprechendere Methode zu entwickeln, um seine Lieblingsschale wieder ansehnlich zu machen. Das Ergebnis war Kintsugi. Kintsugi ist eine von langer Tradition geprägte japanische Methode, zerbrochene Keramik zu reparieren. Das Besondere: Kintsugi versucht nicht, die augenscheinlichen Makel der Reparatur zu verbergen, vielmehr stellt es diese durch die Verwendung von Gold in den Vordergrund und schafft so eine völlig neue Schönheit und Wertschätzung des ursprünglichen Objekts.

 

Die Ästhetik, die hinter Kintsugi steckt, bedeutet so viel wie die Schönheit im Vergänglichen, Alten oder Fehlerhaften zu verstehen. Eine einst zerbrochene Teeschale ist nicht minder Wert, als eine makellose, neue Schale. Vielmehr erlangt die Schale, durch die aufwendige Restauration, einen einzigartigen Stellenwert.

 

Die Einfachheit und die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit stehen im Zentrum dieser Anschauung. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich Kintsugi – die Goldverbindung, die den Makel hervorhebt.

 

Damit ist der Makel kein Makel mehr, sondern er hat sich in etwas Besonderes verwandelt, etwas, das es wertzuschätzen gilt, weil er so wunderschön geworden ist.

 

Wie anstrengend ist es, wenn der Hang zur Vollkommenheit oder zum Perfekten unser Leben bestimmen will. Dabei erleben wir immer wieder, dass es DIE Vollkommenheit gar nicht gibt. Erst recht nicht bei uns Menschen. Doch hat es den Anschein, dass der Mensch unaufhörlich auf der Suche nach Vollkommenheit ist.

 

Davon erzählt schon das Alte Testament. „Die Schlange sprach zum Menschen: ihr werdet unsterblich sein…. Ihr werdet sein wie Gott… Da sah der Mensch, dass es köstlich wäre… Doch dem Menschen gingen die Augen auf, und er erkannte, dass er nackt war.“*

 

Wie gut ist es, wenn wir erkennen können, dass wir uns nicht schämen müssen, auch nicht, wenn wir „nackt“ sind. Wie gut ist es, wenn wir erkennen können, dass wir nicht so sein müssen wie Gott, oder makellos oder perfekt oder … .

 

Die Wertschätzung des Zerbrochenen steht im Zentrum der Idee von Kintsugi.

Gott haucht Zerbrochenem neues Leben ein, das feiern wir an Ostern. Dies geschieht nicht erst nach unserem Tod, sondern bereits jetzt!

 

Ihnen allen eine gute Zeit, und schätzen Sie sich wert!

 

Herzliche Grüße Heri. Barzen

*Die vollständige Geschichte können Sie in Genesis 3 nachlesen.

Photo: Heri Barzen

Liebe Mitchristen,

 

 

 

erinnern Sie sich noch an Ihre Schul-, oder Ausbildungs-/Studienzeit? Viele schöne, aber sicher auch nicht so schöne Erinnerungen an Lehrer, Mitschüler, Freunde, Lieblingsfächer und vermasselte Klassenarbeiten mögen dabei sein. Auch bei mir spielen sich manche Momente vor dem geistigen Auge ab, als wäre es gestern gewesen, aber wohl die meisten sind verblasst oder einfach nicht mehr vorhanden.

 

 

 

Eingeprägt bis heute haben sich mir oft Merksprüche: „Erst Denkapparat einschalten, dann sprechen.“ sagte z.B. mein Klassenlehrer in der 3. und 4. Klasse. Mein Religionslehrer in der 5. und 6. Klasse brachte uns mit einer Abkürzung die ersten acht Konzile „Ni-Ko-Eph-Chal-Ko-Ko-Ni-Ko“ bei. Im Fach Chemie ist der Satz: „Erst das Wasser, dann die Säure, sonst geschieht das Ungeheure.“ eines der wenigen Dinge, die noch hängengeblieben sind. Und ein Ausbilder bei der Sparkassenakademie meinte des Öfteren bei Unwissenheit eines Sachverhaltes: „Wer Lesen kann, ist klar im Vorteil.“ Ich denke, Sie könnten, wie ich, hier noch etliche Merksprüche aufzählen.

 

 

 

Was ich an diesen Sprüchen so bemerkenswert finde, ist die Tatsache, dass sie mich nicht nur an den Inhalt des Gesagten erinnern, sondern oft auch an die Person, von der ich den Spruch gehört oder gelernt habe. Oft huscht mir dann ein Lächeln über das Gesicht und ich erinnere mich an Menschen, die teilweise schon nicht mehr unter uns leben, und die auf die ein oder andere Weise mein Leben mit geprägt haben.

 

 

 

Am heutigen Tag feiern wir liturgisch gesehen den letzten Sonntag der Osterzeit. Der Text des Tagesevangeliums (Joh 17,1–11a) ist dem Gebet Jesu entnommen, das er am Ende seiner sog. Abschiedsreden (Joh 14–16) spricht. Diese Abschiedsreden sind uns seit dem 8. Mai in den Tagesevangelien begegnet. Jesus gibt damit den Zurückbleibenden und Nachfolgenden eine Art Testament – er gibt ihnen Dinge mit auf den Weg, die sie (wie Merksprüche) beherzigen sollen und die Ihnen Orientierung und Wegweiser in ihrem Leben sein sollen.

 

 

 

Jesus bittet zum Abschluss seiner Ausführungen seinen Vater um die „Verherrlichung – das heißt: Die Vollendung seines Wirkens auf der Erde, also seiner ganzen Sendung. Jemanden zu verherrlichen bedeutet in diesem Sinn etwa so viel wie „ jemandem die Ehre erweisen“ – also das zu würdigen und hochzuschätzen, was jemand durch oder in seinem Leben getan hat. Mit der Bitte um Verherrlichung möchte Jesus sich seinem Vater gegenüber als würdig erweisen und von ihm geliebt werden.

 

 

 

Auch uns Glaubenden wird heute die Würde und Liebe Gottes zugesagt. Diese wird uns zuteil – nicht, wenn wir Gott über alle Maße erhöhen – sondern wenn wir uns an sein Testament – quasi wie an Merksprüche – erinnern und danach handeln. Auch wir dürfen Gott darum bitten, dass er uns verherrlichen möge, wenn wir seine Liebe als dienende, schenkende und zuwendende Liebe weitergeben, so wie Jesus es bei der Fußwaschung getan hat.

 

 

 

Markus Ullmann

 

Wichtiges geschieht bei Jesus oft auf einem Berg.

 

Mit einigen Jüngern steigt er auf den Tabor, den „Berg der Verklärung“, und sie erleben den offenen Himmel, erkennen ihn als Sohn Gottes.

 

Die Bergpredigt trägt es schon im Namen.

 

Der Berg Golgotha wird zum Ort des Sieges über den Tod, als Jesus am Kreuz der Welt das Leben schenkt.

 

Und auch das Evangelium vom Himmelfahrtstag erzählt uns von diesen Ereignissen auf einem Berg.

 

Auf Bergen ereignet sich immer wieder Großes, auf Bergen zeigt sich Gott, auf Bergen wird die Erfahrung seiner Nähe unmittelbar. Das ist dann ein Bergerlebnis.

 

Wem am Berg Großes geschenkt wurde, wer ein Bergerlebnis hatte, der ist auch gerüstet für das Tal.

 

So wünsche ich uns allen hin und wieder ein Bergerlebnis.

 

„Freude ist eine Liebeserklärung an das Leben.“ Dieser Spruch von A. L. Balling auf einem Kalender hat mich vor einigen Tagen bewegt. Freude empfinden ist für uns Menschen sehr wichtig. Wir suchen ständig danach. Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die uns Freude bereiten. Ein gutes Gespräch, der Duft von einem frisch gemähten Rasen, ein schönes Lied. Manche Menschen suchen die Freude in großen Veranstaltungen, bei Karnevalssitzungen, Fußballspielen oder Konzerten, andere bereitet eher die Stille Freude. Auch der Umgang mit Freude war immer schon ein wichtiges Thema. Die antiken Philosophen konzentrierten sich vor allem auf die Frage, welche Dinge die Freude hemmen und daher zu vermeiden sind. Asketisch lebende Mönche wollten durch den Verzicht auf Annehmlichkeiten und Freuden des Lebens eine tiefere Freude erlangen. Auch die Bibel thematisiert Freude immer wieder. Das Evangelium des heutigen Tages gibt uns vielleicht eine Antwort auf die Frage, was Freude für uns Christen bedeuten kann: In jener Zeit sprach Jesus zu seinen Jüngern: Amen, amen, ich sage euch: Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen; ihr werdet bekümmert sein, aber euer Kummer wird sich in Freude verwandeln. Wenn die Frau gebären soll, ist sie bekümmert, weil ihre Stunde da ist; aber wenn sie das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an ihre Not über der Freude, dass ein Mensch zur Welt gekommen ist. So seid auch ihr jetzt bekümmert, aber ich werde euch wieder sehen; dann wird euer Herz sich freuen, und niemand nimmt euch eure Freude. An jenem Tag werdet ihr mich nichts mehr fragen.“ (Joh 16, 20-23a) Freude und Leid gehören immer zusammen. Nur wenn ich das Leid ertragen kann, kann ich auch tiefe Freude empfinden. Mütter werden das Beispiel der gebärenden Frau gut nachvollziehen können. Wenn man endlich das ersehnte Kind im Arm liegen hat, sind die Sorgen, die Schmerzen, die Ängste vollkommen ausgeblendet und man empfindet eine tiefe, unglaubliche Freude und Liebe. Jesu Auferstehung war auch für ihn wie eine neue Geburt. Die Traurigkeit am Grab soll der tiefen Freude weichen, wenn wir rufen können: „Jesus lebt!“

 Jesus möchte hier seine Jünger trösten. Ihre Traurigkeit wird sich in Freude verwandeln. Ein trauriger Jünger wäre schließlich ein schlechter Zeuge für den Auferstandenen! Die Jünger sollen in die Welt hinausgehen und die Freude mit den Menschen teilen. Jesus möchte, dass die Jünger leben und dass auch wir leben. Nicht umsonst reden wir von der „Frohen Botschaft“. Manchmal wünsche ich mir, dass wir diese tiefe Freude intensiver erfahren können und auch besser zeigen und weitergeben können. Auch in unseren Kirchen! Lasst es uns zeigen, dass unsere Religion von tiefer Freude lebt und Menschen zum Frohsein führen möchte!

In diesem Sinne wünsche ich allen einen frohen, erfüllten Tag!

Was steht ihr da und schaut nach oben?

 

Liebe Leserinnen liebe Leser,

in meiner Studentenzeit in Innsbruck hatte ich die Gelegenheit, am Fest Christi Himmelfahrt einen Gottesdienst mit einem besonderen volkskirchlichen Brauch zu besuchen. Während des Hochamtes wurde eine Christusfigur vom Altar mit Seilen hochgezogen. Die Blicke der Gläubigen richteten sich gebannt immer weiter nach oben, bis schließlich die Figur im Deckengewölbe durch das sog. „Hl.-Geist-Loch“ entschwand und nicht mehr zu sehen war. Anschließend wurde das Loch mit einem Deckel verschlossen. Dieses Schauspiel mag ein netter volkskirchlicher Brauch sein, doch verstärkt es meiner Meinung nach den Eindruck, dass der Auferstandene sich endgültig von der Welt verabschiedet hat, und die Gläubigen suchend nach oben starren und sich fragen, wo ist er denn hin, und was ist mit uns..…?

In den Texten der heutigen Messfeier steht  was anderes:

„Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ (Apg 1, 11) So hören wir in der ersten Lesung aus der Apostelgeschichte. Es ist die Einladung, sich aufzumachen und innerhalb unserer Welt dem Auferstandenen zu begegnen. So heißt es auch in der dritten Lesung (Evangelium), indem Matthäus dem Auferstandenen die Worte in den Mund legt „Ich bin bei euch alle Tage.“ (Mt 28, 20)

 

In der Megacity Rio de Janeiro in Brasilien „schwebt“ über der Stadt seit 1931 ein monumentaler, segnender Christus, der sich den Blicken der Stadtbewohner nicht entzieht. Der „Cristo Redentor“, der Erlöser, hat zusammen mit dem Sockel eine Höhe von knapp 40 Metern und steht auf dem Berg Corcovado. Von dort aus hat man einen phantastischen Blick auf Rio und die grandiose Landschaft inclusive „Zuckerhut“. Was viele nicht wissen: in der Statue befindet sich eine Kirche und ist sogar offiziell ein Wallfahrtsort. Von unten, von der Stadt aus, schaut man zwar nach oben, aber Christus ist da, man kann ihn bildhaft als den Bleibenden anschauen, der segnend die Hände über die Stadt ausbreitet, und der einlädt, in der Kommunion ihm sogar leibhaft ganz nahe zu sein. 

 

Jemand, der den Blick in einer ganz besonderen Weise „nach unten“ lenken konnte, ist der deutsche Astronaut Alexander Gerst. Im Dezember 2018 richtete er eine Botschaft vom „Himmel“ an seine Kinder und Enkel und letztlich an uns alle: „Wenn ich so auf unseren Planeten herunterschaue, dann denke ich, dass ich mich wohl bei euch entschuldigen muss. Im Moment sieht es so aus, als ob wir, meine Generation, euch den Planeten nicht gerade im besten Zustand hinterlassen werden. Ich bin mir sicher, dass ihr die Dinge inzwischen sehr viel besser versteht als meine Generation. Und, wer weiß, vielleicht lernen wir ja auch noch was dazu.“

 

Gott bzw. der Erlöser ist uns manchmal näher als wir denken. Nicht fern ab hinter einem Himmelsgewölbe, eingesperrt, sondern mitten unter uns, segnend und einladend, uns immer neu auf den Weg zu machen und was „dazuzulernen“.

 

Ihnen einen gesegneten Feiertag und den Vätern einen erfüllten Vatertag!

Herzliche Grüße

Liebe Mitchristen,

 

„Da hat der Heilige Geist gewirkt!“ – haben Sie diesen Spruch auch schon mal gehört oder selber benutzt? Meist fällt diese Aussage ja im Zusammenhang mit einer guten und manchmal wunderbaren Fügung, die sich unerwartet im Leben einer Person eingestellt hat. Oft hört man daher auch den Satz: „Der liebe Gott tut nichts als Fügen.“ Doch was meinen wir damit und woran erkennen wir, dass der Heilige Geist wirklich wirkt?

 

Die Tagesevangelien in dieser Woche verweisen stetig auf den Hl. Geist, der auf die Welt kommen wird. Man bekommt fast den Eindruck, dass es sich bei ihm um eine Art „Nachfolger“ oder „Stellvertreter“ für Jesus handeln könnte: „Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen.“ (Joh 16,12-13a).

 

Oft ist im Evangelium die Rede vom Heiligen Geist als Beistand, also jemandem, der mir zur Seite steht und mich berät. In diesem Sinne ist er dann also eher ein Verstärker oder Vertiefer dessen, was Jesus die Menschen gelehrt hat. Denn häufig lesen wir auch, dass die Jünger verschiedene Aussagen Jesu noch nicht verstanden haben. Durch den Heiligen Geist kommen sie nun also zur „ganzen Wahrheit“, das heißt sie blicken durch sein Wirken „hinter den Vorhang“.

 

Auch in unserem Leben kann der Heilige Geist uns helfen, unser Denken und Handeln zu gestalten. Er begleitet uns, auch auf den schweren und steinigen Wegen. Durch sein Wirken vertieft und verstärkt er die Verbindung zwischen uns Gläubigen und Gott. Doch dazu brauchen wir Vertrauen in die Kraft des Geistes und sind so jeden Tag auf’s Neue herausgefordert, mit dem lebendigen und liebenden Gott in Beziehung zu treten.

 

Manchmal begegnen uns Menschen, die uns durch ihr uneigennütziges Leben ein gutes Beispiel geben und positiven Einfluss auf uns nehmen. Diese Menschen sind oft erfüllt von Menschlichkeit, Tatkraft und Nächstenliebe, so dass wir sagen, dass in ihnen der Heilige Geist wirkt. In der liebenden und lebendigen Beziehung der Menschen untereinander begegnet uns Gott.

 

Vertrauen wir also der Kraft des Geistes und öffnen wir uns für die Frohe Botschaft Jesu Christi, damit auch in und durch uns Gottes Geist an unseren Nächsten seine Wirkung zeigen kann.

 

Markus Ullmann

Liebe Mitchristen,

 

viele beobachten mit Sorge die aktuellen Entwicklungen in unserer Gesellschaft. So gab es am vergangenen Wochenende viele Demonstrationen gegen Corona Beschränkungen. Maßnahmen, die Wissenschaftler und Politiker für notwendig halten, werden angezweifelt, sogar die Existenz des Virus wird angezweifelt, Verschwörungstheorien in sozialen Netzwerken geteilt. Dabei bilden sich immer stärker zwei Lager heraus: Menschen, die sich um die Gesundheit sorgen und die glücklich sind, dass Deutschland bis jetzt glimpflich davon gekommen ist auf der einen Seite und Menschen, die ihre Freiheitsrechte in Gefahr sehen auf der anderen Seite. Beide Seiten können Argumente für ihre Sicht nennen, die Diskussion wird sehr leidenschaftlich geführt.

 

Das Thema dieser Auseinandersetzung ist neu, aber die leidenschaftliche Diskussion von strittigen Themen sicher nicht. In diesen Tagen werden immer wieder Abschnitte aus der Apostelgeschichte gelesen. Und wenn wir diese Texte mitverfolgen, dann sind wir mittendrin in einem Streit, der vor 2000 Jahren stattgefunden hat, aber sicher mit der gleichen Intensität geführt wurde. Damals ging es um die Bekehrung von Heiden und Juden zum Christentum. Paulus und Petrus diskutierten darüber, wie Heiden und Juden Christen werden können und wie man mit den Neubekehrten umgeht. Meinungen werden ausgetauscht, man ist sich nicht einig. Und dann sagt Petrus: „Und Gott, der die Herzen kennt, bestätigte dies, indem er ihnen ebenso wie uns den Heiligen Geist gab. Er machte keinerlei Unterschied zwischen uns und ihnen; denn er hat ihre Herzen durch den Glauben gereinigt.“ (Apg 15, 8-9) Allein Gottes Wort und Gottes Geist führen zu einer Einigung! Gott liebt alle Menschen gleich, er gab allen den Heiligen Geist, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft und anderen Merkmalen. Der Glaube ist das einzige Kriterium, das zählt. Wir glauben, dass wir durch die Gnade gerettet werden. (V 11) Welch eine tröstliche Zusage! Am Ende können sich die Apostel darauf einigen, dass den Heiden nicht die Last der Gesetze des Moses auferlegt wird. Zeit- und kulturbedingte Bräuche sollen nicht den Weg zu Jesus versperren.

 

Daran sollten wir uns heute ein Beispiel nehmen. In den letzten Jahrhunderten haben sich viele Rituale und Pflichten herausgebildet, die für uns in der heutigen Zeit schwer nachzuvollziehen und einzuhalten sind. Vielleicht muss bei uns auch die ein oder andere Regel auf den Prüfstand, ob sie nicht uns und unseren Mitmenschen im Wege steht und uns von Gott trennt. Vielleicht müssen auch wir den Mut aufbringen, Gesetze zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen. Die Frage nach dem Zölibat, der Diakonenweihe für Frauen, der Umgang mit Geschiedenen und Homosexuellen sind einige Fragen, die schon offen diskutiert werden. Ich wünsche mir den Heiligen Geist bei der Bewältigung dieser Fragen, damit wir zu einem guten Ergebnis für alle kommen können!

 

Eines ist damals wie heute wichtig: Gemeinschaft ist wichtig! Egoistische Interessen dürfen nie vor den Interessen der Allgemeinheit stehen! Wir als Christen vertrauen auf die Gnade Gottes und den Heiligen Geist. Und manchmal müssen wir uns auch selbst zurücknehmen, um andere zu schützen. Dieser Blick auf alle und der Schutz der Schwächeren ist gelebte Nächstenliebe – und dieses Gesetz kommt von Jesus selbst und ist daher eine feststehende Glaubenswahrheit, die Bestand hat und immer und überall gilt. „Das ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, wie ich euch geliebt habe.“ (Joh 15, 12)

 

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir in Streitfragen eine gute Lösung finden, mit der alle leben können.

Bild und Text: E. Finkler

Liebe Mitchristen,

 

Es ist eine alte Tradition der Kirche, an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt, den sogenannten Bitttagen, durch die Felder und die Natur zu ziehen, um Gott als Schöpfer allen Lebens anzurufen. Dabei bitten wir um Schutz vor Unwetter, Naturkatastrophen und Not. Wir beten für eine gute Ernte und dass unsere tägliche Arbeit gelingt. Auch wenn es eine alte Tradition ist, so haben die Anliegen nichts an Aktualität verloren – im Gegenteil: In den Diskussionen um den Klimawandel erhalten sie wieder eine ganz neue Bedeutung. Unsere Vorfahren haben das, was sie zum Leben gebraucht haben, selbst hergestellt. Wir sind heute auf die Versorgung durch den Handel angewiesen. Durch die Globalisierung ist es dann kein Problem mehr, an Produkte aus aller Welt zu kommen. Kein Problem? Was auf den ersten Blick einfach und super erscheint, hat auch eine Schattenseite. In vielen Ländern dieser Erde wird unter Bedingungen produziert, die wir einfach nicht gutheißen können. Ausbeutung, Kinderarbeit, mangelnde Arbeitssicherheit, fehlende Nachhaltigkeit sind nur einige Schlagworte. Dabei ist der Transport über Tausende Kilometer noch gar nicht erwähnt! Brauchen wir wirklich Erdbeeren aus Ägypten, Gurken aus Spanien und Mangos aus Südamerika? Müssen wir Gebrauchsartikel im Internet bestellen, die dann aus China zu uns auf die Reise gehen? Flugreisen und Kreuzfahrten sind toll, keine Frage, aber muss das jedes Jahr sein? Es geht nicht darum, die Globalisierung zu verteufeln und alle Häuser zu Selbstversorgerhöfen umzubauen. Aber manchmal ist ein kritisches Hinterfragen und Hinschauen gut. Viele Geschäfte bieten regionale und lokale Produkte, es gibt Qualitätssiegel wie z.B. Fair Trade Produkte, man kann Produkte großer Konzerne meiden, die nicht nachhaltig produzieren, man kann Dinge reparieren anstatt sie wegzuwerfen, manche Wege könnte man auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurücklegen. Gott hat uns die Erde anvertraut, damit wir auf ihr leben und sie bewirtschaften. Aber sie ist auch nur geliehen und wir sollten so mir ihr umgehen, dass unsere Kinder und Enkel auch noch gut leben können, dass Tiere und Pflanzen Platz und Luft zum Leben haben. In dem Lied „Gott gab uns Atem“ heißt es:

 

Gott gab uns Atem, damit wir leben. Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.

 

//: Gott hat uns diese Erde gegeben, dass wir auf ihr die Zeit bestehen. ://

 

Gott gab uns Ohren, damit wir hören. Er gab uns Worte, dass wir verstehn.

 

//: Gott will nicht diese Erde zerstören. Er schuf sie gut, er schuf sie schön. ://

 

Gott gab uns Hände, damit wir handeln. Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.

 

//: Gott will mit uns die Erde verwandeln. Wir können neu ins Leben geh. ://

 

Wir alle sind gefordert, dafür zu sorgen, dass alle Menschen, Tiere und Pflanzen auf dieser Erde leben können. Gott hat uns die Sinne gegeben, damit wir sie sinnvoll nutzen.

 

Die Bittprozessionen sind ein gutes Zeichen dafür. Bitten hat in unserer Religion eine große Tradition. Im Vater unser heißt es: „Unser tägliches Brot gib uns heute.“ Das Fürbittgebet ist ein wichtiger Bestandteil der Liturgie. Die Tradition der Bitttage und Bittprozessionen reicht bis ins 4. Jahrhundert zurück. Sie gehen auf eine Anordnung des Bischofs Mamertus von Lyon im Jahr 469 zurück, wegen Erdbeben und Missernten an den drei Tagen vor Christi Himmelfahrt mit Fasten verbundene Bußprozessionen zu halten. Um 800 wurden diese drei Bitttage auch von Rom eingeführt, allerdings ohne das Fasten. Die „Grundordnung des Kirchenjahres und des Kalenders“ von 1969 hat die Bitttage vor Christi Himmelfahrt noch einmal bestätigt.

 

In diesem Jahr fallen die meisten Bittprozessionen aus. Dennoch können wir mit offenen Augen durch die erwachende Natur gehen, die Schönheit der Schöpfung bewundern und darauf vertrauen, dass unsere Bitten erhört werden.

 

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Woche und gute Gedanken in den Tagen vor Christi Himmelfahrt.

Bild und Text: E. Finkler

Liebe Mitchristen,

 

vor 71 Jahren, am 23. Mai 1949 wurde das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland erlassen und trat einen Tag später in Kraft. Diese Verfassung regelt u.a. das Verhältnis des Staates zu den Mitgliedern seiner Gesellschaft und deren wichtigste Rechte und Pflichten. Die Grundrechte sind im Wesentlichen garantierte Abwehrrechte der Bürger gegen den Staat.

 

In der Zeit der Corona-Krise erleben wir, dass unsere Grundrechte teilweise vom Staat eingeschränkt wurden und es immer noch sind. Die Religionsgemeinschaften in Deutschland hat dabei besonders die Beschränkung der ungestörten Religionsausübung (GG Art. 4, Abs. 2) hart getroffen. Dennoch haben Christen, Muslime und Juden in der Krise kooperativ und mit großer Verantwortung für das Gemeinwohl gehandelt und haben ihre öffentlichen Gottesdienste und religiösen Zusammenkünfte eingestellt.

 

Dies haben die Religionsgemeinschaften immer in dem Wissen gemacht, dass ihnen und ihren Mitgliedern das Grundrecht der Religionsfreiheit vom Staat garantiert wird. Das Bundesverfassungsgericht hat daher vor Ostern in einem Beschluss noch einmal darauf hingewiesen, dass ein befristetes Gottesdienstverbot zwar zulässig sein kann, es aber ein schwerwiegender Eingriff in die Glaubensfreiheit darstellt, wenn religiöse Versammlungen pauschal verboten werden. Erste Lockerungen im Bereich der Gottesdienste und religiöser Versammlungen zeigen, dass Politik und Kirchen unser Grundrecht auf Religionsfreiheit sehr ernst nehmen und dafür einstehen.

 

Wenn wir einen Blick auf das heutige Tagesevangelium (Joh 15, 18 – 21) werfen, bekommen wir den Anschein, dass Jesus seine Jünger zu einer Art Weltfremdheit animiert: „Aber weil ihr nicht von der Welt stammt, sondern weil ich euch aus der Welt erwählt habe, darum hasst euch die Welt.“ (Joh 15, 19b). Und wirklich wird diese Stelle des Evangeliums auch von manchen dafür verwendet, um zu zeigen, dass Kirche „anders“ ist als die Welt / Gesellschaft. Meiner Meinung nach kann und darf dies aber nicht bedeuten, dass Kirche sich für etwas anderes im Sinne von „etwas Besseres“ oder „von Gott erwählt“ hält.

 

Als Kirche in der Welt zu sein, kann meines Empfindens nur heißen: Wir sind ein Teil dieser Welt / der Gesellschaft. In diesem Sinne „anders“ zu sein, kann dann bedeuten, dass wir uns als Kirche Jesu Christi auf seinen Spuren in der Welt bewegen und wir in seinem Sinn versuchen, sie (besser) zu gestalten. Beispiele dafür wären unser Eintreten für Gerechtigkeit, unser Blick an die Ränder der Gesellschaft, unser sozial-caritatives Engagement und auch unser Einstehen für die gleichen Grund- und Menschenrechte weltweit. Denn in vielen Ländern der Erde dürfen und können sich Menschen nicht auf ihre Grundrechte und vor allem nicht auf das Grundrecht auf Religionsfreiheit berufen.

Wie ermutigend und schön ist es da doch, in einem freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat zu leben!

Markus Ullmann

Die Tage sind nun schon wieder länger und heller. So langsam bringt die Natur wieder neues Leben hervor. Knospen und Blüten springen auf und frühmorgens weckt uns das laute Zwitschern der Vögel. Schaut euch um, lasst das in Ruhe auf euch wirken. Nehmt euch mal Zeit dafür. Das ist wie kostenloses "Drei-D-Kino", sogar mit Gerüchen und unnachahmlichen Lichtspielen. Lasst uns raus gehen und dieses Frühlingserwachen in uns aufnehmen, auch wenn das Wetter mal nicht optimal sein sollte. Der Frühling ist eine Zeit, in der wir die Natur, aber auch uns selbst intensiver wahrnehmen als sonst. Es scheint, als würden wir etwas von dem neuen Leben der Pflanzen und Tiere in uns aufnehmen, als würde nicht nur die Natur, sondern auch wir aufleben. Mit den wärmeren Monaten spüren viele Menschen eine größere Lebens- und Unternehmungslust: Bewegung, frische Luft, Sport, Ausflüge ins Freie und in die Natur tun gut. Unser Blick geht nun nach vorn, weg vom Grau der Wintermonate, hin zu den bunten Farben des Sommers. Der Frühling macht uns bewusst: Es kommt etwas Neues!

 

"Schaut nach vorne, denn ich will etwas Neues tun! Es hat schon begonnen, habt ihr es noch nicht gemerkt?"

 

Das ist nicht der Text eines guten gelaunten Frühlingsboten, sondern eines Gottesmannes, der vor zweieinhalbtausend Jahren in Israel lebte. Jesaja übermittelte diese Botschaft Gottes an sein Volk. (Jesaja 43,19) Was er sagen will ist Folgendes: "Schaut Euch um, denn Gott tut etwas!“

 

Im Frühling zeigt sich etwas vom Wesen Gottes, der die Welt geschaffen hat und nicht aufhört, Neues und neues Leben zu schaffen. Das erweckt die Natur in diesen Wochen zu neuem Leben, wo Menschen sorgenvoll in die Zukunft blicken.

 

Der Prophet Jesaja macht uns dabei auf die notwendige Perspektive aufmerksam: "Gedenkt nicht an das Frühere und achtet nicht auf das Vorige!" (Jesaja 43,18)

 

Es ist gut nach vorn zu schauen. Und das in hoffnungsvoller Erwartung, dass Gott Neues aufgehen lässt.  (nach G. Künzer)

Heilige Corona, bitte für uns!

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Wir glauben, dass der Tod nicht das Ende, sondern der Beginn eines neuen Lebens ist.“ Dieser Satz, wir kennen ihn vielleicht aus dem Beerdigungsritual, ist der Kern unseres christlich-österlichen Glaubens. Deswegen wird auch beim Begräbnis der Verstorbene direkt angesprochen, so, als ob wir uns mit ihm unterhalten würden. Beispiel: „Der Herr schenke dir ewige Freude.“ Wenn wir unsere Verstorbenen zu den Heiligen rechnen, dann singen wir gemeinsam mit ihnen und allen Engeln in jeder Eucharistiefeier das „Heilig-Lied“ (Sanctus). So können wir die Heiligen anrufen, oder wir dürfen sie verehren.

 

Heute, am 14. Mai, gedenkt die Kirche der heiligen Corona. Zur Zeit spricht jeder von „Corona“, kaum einer von der Heiligen.

Aus gegebenem Anlass möchte ich sie Ihnen heute ein wenig vorstellen.

 

Viel weiß man über sie nicht. Historisch ist nichts gesichert. Der Legende nach hat sie im 2. Jh. n. Chr. unter Kaiser Diocletian oder Antonius gelebt und im Alter von 16 Jahren das Martyrium erlitten. Sie soll mit dem Soldaten Victor verheiratet gewesen sein, der ebenfalls aufgrund seines Glaubens hingerichtet wurde. Da Corona ihm in der Todesstunde beistand und dem christlichen Glauben nicht abschwor, wurde sie noch am gleichen Tag zum Tode verurteilt und hingerichtet. Das Bild aus der Kirche in St. Corona in Österreich zeigt die Heilige mit zwei Palmen. Diese weisen auf Ihren Märtyrertod hin: durch zwei heruntergebogene Palmen, auf die man sie vorher gefesselt hatte, wurde ihr Körper durch das Hochschnellen derselben zerrissen.  

 

Egal, was sich an der Legende bewahrheiten läßt, wichtig ist, dass die heilige Corona in ihrem Glauben ein solch tragendes Lebensfundament gefunden hatte, dass sie auch in Todesgefahr ihre Hoffnung und Zuversicht nicht aufgeben wollte.

 

Das ist der zweite Grund, warum ich Ihnen diese Heilige heute vorstelle. Corona wird tatsächlich in besonderer Weise als Schutzheilige in Zeiten von Epidemien und Seuchen angerufen.

 

Kurios ist die Darstellung oft mit einem Geldstück oder einem Schatzkästchen. Ja, sie ist auch Fürsprecherin der Schatzsucher, der Glücksspieler und der Zocker. Vielleicht klingt das etwas verrückt, aber warum sollen nicht auch die Glücksspieler ihre eigene Patronin haben? Schließlich ist sie auch die Namensgeberin der ehemals österreichischen Währung „Kronen“ (lat. corona). Ob sie jemandem allerdings zu einem Lotteriegewinn verhelfen würde, das ist wohl stark in Zweifel zu ziehen.

 

Um gegen Schluss wieder zum Ernst der Sache zurückzufinden, empfehle ich Ihnen aus der Novene der Kirchengemeinde in Roding ein kleines Gebet zur Hl. Corona:

Heilige Corona,

wir rufen zu dir in großer Bedrängnis.

Als dein Mann bedroht wurde, spendetest du ihm Trost.

Erbitte uns und allen Verzweifelten

Hoffnung und Zuversicht in dieser Welt!

Heilige Corona, bitte für uns!

 

Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit

und herzlichen Grüßen

Heri. Barzen

Das Licht der Welt.

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

heute möchte ich Ihnen eine Kirche vorstellen, in der Art man sie, wie ich meine, viel zu wenig in unserer Zeit findet: St. Moritz in Augsburg. Vielleicht stellt sich der ein oder andere die Frage beim Betreten der Kirche: Ist das wirklich eine katholische Kirche? Ja, zugegeben: sie kommt einem „leer“ vor, „zu aufgeräumt“, ohne Blumenschmuck, keine Farbigkeit, noch nicht mal ein Kreuz ist zu sehen. Wie auch immer man diesen Raum empfinden mag, St. Moritz ist eine katholische Kirche mit einer langen Tradition, einer über tausendjährigen Geschichte und damit eine der ältesten Kirchen Augsburgs.

Von Bischof Brun, einem Bruder Kaiser Heinrichs II. als Stift gegründet und dem hl. Mauritius geweiht, oft zerstört, abgebrannt, erweitert oder umgebaut, erfuhr der Bau im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Veränderungen.

 

Die jüngste Umgestaltung erfuhr die Kirche ab 2013 durch den Londoner Architekten John Pawson, der ihr damit auch ihr heutiges Aussehen verlieh. Sein Grundkonzept war es, den Kirchraum auf das Wesentliche zu reduzieren. Das vorherige Dunkel und „Unaufgeräumte“ sollten der Ruhe und Klarheit eines neugestalteten Raumes weichen. Eine besondere Inszenierung von Licht war Pawson wichtig. Gerade das Licht ist es, das jetzt buchstäblich den gesamten Raum gewinnt und durchflutet und so Teil des Gebäudes wird. Noch nicht einmal Lampen sind zu sehen. Er integrierte das Licht vollends in die Architektur.

 

Wenn man die Kirche betritt, und den Blick nach vorne in Richtung Apsis richtet, sieht es eine einzige Figur (17. Jh.), die die Aufmerksamkeit auf sich lenken will. Je nachdem, wie intensiv das Licht von draußen einflutet, ist diese Figur aus der Ferne nur undeutlich zu erkennen. Eines ist unverkennbar: Da kommt mir jemand entgegen, winkend, und er hat es eilig: es ist der auferstandene Christus, der von sich gesagt hat: „Ich bin das Licht der Welt.“ (Joh 8, 12), und der es auch den Menschen zusagt: „Ihr seid das Licht der Welt.“ (Mt 5, 14) Damit ist Wesentliches gesagt und vorhanden.

 

Ich möchte nicht zu viel meine eigenen Gedanken äußern. Das Schöne an diesem Raum ist, dass er offen ist! Offen für alle, die diese Kirche aus der Stadt betreten wollen, aus welchen Gründen auch immer: offen für Gläubige und Nicht-Gläubige, für den Suchenden und für den „Fertigen“. Sie ist offen für Künstler und Kulturschaffende, die regelmäßig (zumindest in der Vor-Corona-Zeit) eine Bühne für ihre Installationen und Darbietungen finden. Alle sind eingeladen und dürfen sich ganz der lichtdurchfluteten Stille hingeben.

 

Eine geschichtsträchtige Kirche, die die bleibende Botschaft vom Licht der Welt immer in die entsprechende Sprache der Zeit hinein übersetzt hat, ein großartiger Raum, der mir viel Raum  läßt, das Licht der Welt zu suchen und zu finden: den Auferstandenen und mich.

 

Ein Besuch lohnt sich!

Herzliche Grüße

Heri. Barzen

Für den Tag:

 

Glaubensbekenntnis

Wir glauben, d.h. wir vertrauen darauf, dass die Welt und unser Leben kein blinder Zufall sind. Gott, unser guter Vater, hat diese Welt erschaffen und uns anvertraut. Er hat jeden von uns beim Namen gerufen. Er hat uns so sehr geliebt, dass er seinen Sohn zu uns sandte. Der wurde Mensch, einer von uns. Er zeigte uns, wie wir miteinander umgehen sollen. Zuletzt gab er sein Leben für uns hin. Aus dem Tod aber wurde ihm neues Leben geschenkt, Leben, das nicht mehr genommen werden kann. Aus der Liebe zwischen Vater und Sohn strömt der Heilige Geist. Er strömt auf uns über und bezieht uns so ein in Gottes liebende Gemeinschaft. In diesem Geist sind auch wir liebende Gemeinschaft untereinander, eine Gemeinschaft der Hilfsbereitschaft und Versöhnung, des Vertrauens und der Hoffnung, eine Gemeinschaft eines neuen und ewigen Lebens.

(Manfred Oslender)

Bild: K. Quirin

Liebe Mitchristen,

in der heutigen Zeit habe ich manchmal den Eindruck, dass „die Kirche“ als elitärer Zirkel dargestellt wird, der sich den Menschen außerhalb dieses Kreises eher verschließt, oder sich gegen zu viel Einfluss von Außen geradezu abschirmt. Das mag in manchen Bereichen sicher zutreffen, denn man hört ja durchaus Stimmen, die sagen: „Ihr sprecht uns nicht mehr an.“ oder „Die Kirche dreht sich nur noch um sich selbst.“  Aber sind wir wirklich ein elitärer Kreis? Sind wir in der Kirche diejenigen, denen sich Gottes Wahrheit offenbart?

 

Im heutigen Tagesevangelium (Joh 14,21-26) stellt Judas (Thaddäus) Jesus eine Frage, die in genau diese Richtung abzielt: „Herr, warum willst du dich nur uns offenbaren und nicht der Welt?“ (Joh, 14,22). Der Leser oder Hörer des Evangeliums erwartet eine Antwort Jesu auf diese Frage. Doch dieser geht gar nicht direkt auf die Frage ein: „Wenn jemand mich liebt, wird er an meinem Wort festhalten…“ (Joh 14,23a). Es geht Jesus also offenbar nicht darum, dass er (oder allgemein Gott) sich den Menschen offenbart, damit sie die göttliche Wahrheit finden, sondern er ist bei denen, die ihn aus innerem Antrieb heraus suchen und seine Worte und Gebote umzusetzen versuchen. In der Frage des Judas und der Antwort Jesu wird deutlich, dass Gott sich nicht nur wenigen, also etwa einem auserwählten Kreis offenbart, sondern überall da ist, wo Menschen die Gebote halten und Gott lieben.

 

Schauen wir unter diesem Licht noch einmal auf unsere Frage zu Beginn: Offenbart sich Gott nur einem „inner circle“? Wer gehört zu diesem Kreis dazu? Ich glaube, wir können uns manchmal nicht vorstellen, wo Gott in unserem Leben schon überall ist und wirkt. Es lohnt sich also auch für uns als Kirche, den Blick zu weiten. Papst Franziskus hat in seinem ersten Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ von der Kirche gefordert, dass sie „an die Ränder gehen“ muss, um Gott zu suchen und zu finden.

 

Wie können wir folglich heute Gott finden? Wo ist er in unserer Welt, in unserem Land, in unserer Gesellschaft, ja sogar in unserer Pfarreiengemeinschaft schon am Werk, wo wir es nicht vermuten? Viele Fragen, die scheinbar nur schwer zu beantworten sind. Die Antwort darauf gibt Jesus am Ende des Evangeliums selbst, wenn er der Welt den „Beistand“ also den Heiligen Geist zusagt, der in uns allen wirkt. Wenn wir daher das heutige Tagesevangelium ernst nehmen, dann dürfen wir glauben, dass Gottes Geist auch da wirkt, wo wir es im ersten Moment vielleicht nicht erwarten, also auch außerhalb der Kirche.

 

Wir können und müssen also damit rechnen, dass Gott uns überall und in jedem begegnen kann. In unseren zwischenmenschlichen Beziehungen, die in dieser Krisenzeit besondere Wertschätzung erfahren, da wo wir uns liebevoll einander begegnen, da können wir Gottes Geist besonders spüren und fühlen. Achten wir heute einmal in unseren Begegnungen in besonderer Weise darauf.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Wochenstart.

Für den Tag

Leise hört man Kinder aufgeregt flüstern und kichern, leises Fußtippeln aus der Küche, Geschirr klappert, der Kaffee duftet. Es ist Muttertag. Während die Mama sich ausnahmsweise noch mal im Bett umdreht und wartet, bis sie geweckt wird, sind die Kinder fleißig, bereiten das Frühstück vor, dekorieren den Tisch mit Blumen und selbstgebastelten Herzen. Es ist immer wieder ein besonderer Tag, den wohl jede Mutter auch genießen kann. Es ist ein Tag der Anerkennung für die Mütter, die jeden Tag des Jahres für ihre Familie da sind, immer wissen, was gerade fehlt, den Überblick behalten, organisieren, unterstützen, trösten, in den Arm nehmen, einfach da sind. Gerade in diesem Jahr stehen viele Mütter vor großen Herausforderungen, denn neben den üblichen Tätigkeiten in Beruf, Haushalt und Erziehung müssen seit Wochen Homeschooling und Freizeitgestaltung gestemmt werden. Auch wenn der Tag manchmal den zweifelhaften Ruf hat, eine Erfindung der Blumengeschäfte sein, ist der als Tag der Wertschätzung und Achtung für viele Frauen wichtig.

 

Das Band, das die Familie zusammenhält, ist die Liebe. Alles muss aus Liebe getan werden und von der Liebe getragen sein. Die Worte aus dem Korintherbrief sind sehr passend. „Die Liebe ist langmütig, die Liebe ist gütig. Sie ereifert sich nicht, sie prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf. Sie handelt nicht ungehörig, sucht nicht ihren Vorteil, lässt sich nicht zum Zorn reizen, trägt das Böse nicht nach. Sie freut sich nicht über das Unrecht, sondern freut sich an der Wahrheit. Sie erträgt alles, glaubt alles, hofft alles, hält allem stand. Die Liebe hört niemals auf (1 Kor 13).“ Wenn das Leben in einer Familie von dieser Liebe getragen ist, dann ist ein gutes Leben möglich, in dem jeder seinen Platz hat und glücklich sein kann. Und diese Liebe impliziert auch schon Wertschätzung und Achtung. Wenn wir aus dieser Liebe handeln und sie täglich praktizieren, dann ist jeder Tag des Jahren Muttertag, Vatertag und Kindertag.

 

Aber ich möchte den Blick heute auf einen weiteren Aspekt richten. Wenn wir über biblische Personen reden, meinen wir oft Männer. Dabei gibt es auch in der Bibel eine Reihe starker und besonderer Frauen. Im ersten Moment kommt sicher allen Maria in den Sinn, die als Mutter ihrem Sohn Jesus immer zur Seite stand und für ihn da war, in den guten Zeiten, aber auch in den schweren Zeiten. Schon die Geburt war überschattet von Schwierigkeiten. Sie mussten nach Ägypten fliehen, um Jesus zu schützen. Als Zwölfjähriger macht er seiner Mutter wieder Sorgen, als er wegläuft, um mit Gelehrten im Tempel zu diskutieren. Sie hatte keinen einfachen Stand! Den Sohn dann auf seinem letzten Weg zu begleiten und ihn sterben zu sehen ist sicher das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann.

 

Eine weitere faszinierende Person ist Rut. Die Nichtisraelitin ist die Hauptfigur im gleichnamigen Buch und eine der Stammmütter Jesu. Sie heiratet in eine jüdische Familie ein, die wegen einer Hungersnot nach Moab ausgewandert war. Nach dem Tod ihres Mannes, ihres Schwiegervaters und des Schwagers bleiben nur noch Rut, ihre moabitische Schwägerin Orpa und die jüdische Schwiegermutter Noomi übrig. Diese will nach Bethlehem zurück. Rut besteht darauf, mitzukommen. Sie sagt zu Noomi einen Satz, der heute als Trauspruch beliebt ist: "Wohin du gehst, dahin gehe auch ich, und wo du bleibst, da bleibe auch ich." In Juda sorgt Rut für sich und ihre Schwiegermutter, indem sie zur Nachlese der Ähren auf das Feld des reichen Boas geht. Die beiden Frauen schaffen es, sich in die Gesellschaft zu (re)integrieren und Boas heiratet Rut. Ihr gemeinsamer Sohn Obed ist der Großvater von König David, deshalb taucht Rut auch im Stammbaum Jesu (Mt 1,5 und Lk 3,32) auf. In ihrem Handeln und Leben erkennt man, wie flexibel sie auf die besonderen Situationen reagiert, offen ist für Veränderungen und immer wieder das Beste darauf machen möchte. Sie sucht stets nach Lösungen für ihre Probleme, ist treu und verlässlich.

 

Diese Liste könnte man noch mit zahlreichen Frauen füllen, die durch ihr Handeln eine besondere Rolle eingenommen haben. Und wenn wir in unser Umfeld schauen, werden wir sicher alle viele Frauen entdecken, die in ihrem Alltag immer für ihre Familie, ihr Umfeld, die Dorfgemeinschaft, die Pfarrgemeinde da sind.

 

Tut dies zu meinem Gedächtnis!

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

vor genau 75 Jahren, in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1949, unterzeichneten der Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Wilhelm Keitel, der Generaladmiral Hans-Georg von Friedeburg und Generaloberst Hans-Jürgen Stumpff im sowjetischen Hauptquartier in Berlin die bedingungslose Kapitulaton Nazideutschlands. Dieses Datum markiert die Befreiung vom Nationalsozialismus und das Ende des zweiten Weltkrieges in Europa.

 

Zum 75. Jahrestag am, vergangenen Freitag, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier: „Es gibt kein Ende des Erinnerns. … Nicht das Erinnern ist eine Last, sondern das Nicht-Erinnern.“ So sind wir gerade in Deutschland dazu aufgerufen, unserer Verantwortung in der Welt nachzukommen und Möglichstes tun, damit Gewalt und Unterdrückung keinen Platz mehr in unserer Gesellschaft finden.

 

Auch im gottesdienstlichen Geschehen spielt die Erinnerung eine besondere Rolle. Auf den Fundamenten jüdisch-christlicher Erinnerungskultur lesen wir in den heiligen Schriften und lassen in gottesdienstlichen Kulthandlungen durch die Erinnerung das Heilsgeschehen Gottes in unserem Leben sichtbar werden. „Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ So hören wir es in jeder Eucharistiefeier.

 

Für mich spielt das Sich-Erinnern nicht nur im Gottesdienstlichen eine wichtige Rolle, sondern auch im Politischen. So bin ich bei meinem letzten München-Besuch im Dezember des vergangenen Jahres den Spuren der Geschwister Scholl gefolgt, angefangen am Wohnhaus in der Franz-Joseph-Straße 13, über die Ludwig-Maximilians-Universität bis hin zur letzten Ruhestätte im Perlacher Forst in unmittelbarer Nachbarschaft ihrer Hinrichtungsstätte.

 

Manche Opfer haben selbst Schriften hinterlassen wie Anne Frank oder der protestantische Theologe und Pastor Dietrich Bonhoeffer. Viele Gedichte hat Bonhoeffer im Konzentrationlager Flossenbürg geschrieben, dem Ort seines Sterbens. Für Sterbeämter wünschen sich die Hinterblieben oft sein Gedicht „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Weil es trotz aller Hoffnungslosigkeit die Hoffnung und die Zuversicht nicht aus dem Blick lässt, möchte ich Ihnen heute eine Strophe seines Gedichtes als Erinnerungstext mitgeben. Den vollständigen Text finden Sie im Gotteslob unter der Nummer GL 430.

 

Von guten Mächten treu und still umgeben,

behütet und getröstet wunderbar,

so will ich diese Tage mit euch leben

und mit euch gehen in ein neues Jahr.

 

Von guten Mächten wunderbar geborgen,

erwarten wir getrost, was kommen mag.

Gott ist bei uns am Abend und am Morgen

und ganz gewiß an jedem neuen Tag.

 

In guter Erinnerung grüße ich Sie herzlich.

Heri. Barzen

Im Mai denken wir besonders an unsere Gottesmutter Maria. In ihrem Magnificat singt sie für uns alle das Lied der Hoffnung. Maria trug ein Kind, als sie übers Gebirge zu Elisabeth ging. Bei der Begegnung mit Elisabeth betet Maria. Dieses Gebet ist ein Lied voll Lobpreis und Dank. Maria durfte erfahren, wie groß Gott ist. Lassen wir uns davon anstecken, schenken wir uns gegenseitig Hoffnung! Denn Hoffnung brauchen wir alle im Moment in besonderem Maße! Hoffnung, dass wir alle gesund bleiben. Hoffnung, dass wir die Krise wirtschaftlich meistern können. Hoffnung, dass wir unsere Arbeit behalten. Hoffnung, dass wir in absehbarer Zeit auch wieder echte Begegnungen haben können, die vom Heiligen Geist getragen sind.

 

 

 

Meine Seele preist die Größe des Herrn und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

 

Maria preist die Größe des Herrn. Durch die Begegnung mit Elisabeth weiß sie, dass ihr Kind von Gott kommt. Dabei muss man sich mal in ihre damalige Situation versetzen. Plötzlich schwanger – und keiner weiß, wie. Deshalb ging Maria zu Elisabeth, die in ihrem hohen Alter schwanger war. Sie brauchte eine Frau, die sie verstand.

 

Denn auf die Niedrigkeit seiner Magd hat er geschaut.

 

In den Augen der damaligen Gesellschaft blieb sie wohl weiterhin ein einfaches Mädchen. Nur in Gottes Augen war sie anders. Frauen galten damals weiniger als heute. Maria war es sicher gewohnt, sich unterzuordnen.

 

Siehe, von nun an preisen mich selig alle Geschlechter.

 

Maria hat hier ein unglaubliches Selbstbewusstsein. Heute würde man denken, dass sie sich ganz schön was einbildet. Im Vergleich zu diesem Schrifttext wurde Maria im Laufe der Jahrhunderte ganz anders vermittelt – klein und bescheiden. Aber Maria war wirklich eine starke Frau!

 

Denn der Mächtige hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.

 

Die Leute haben damals sicher schlecht über Maria geredet, weil sie ledig ein Kind erwartete. Sie hatte es sicher schwer gehabt, selbst Josef wollte sie verlassen. Und in dieser Zeit setzte Maria ihre ganze Hoffnung auf Gott, denn sie hat der Verheißung des Engels geglaubt.

 

Er erbarmt sich von Geschlecht zu Geschlecht, über alle, die ihn fürchten.

 

Von Geschlecht zu Geschlecht bedeutet, dass sie die große Taten Gottes in jeder Generation, zu jeder Zeit erleben lassen. Fürchten meint soviel wie Ehrfurcht haben. Gott ist kein Gott der Angst und Furcht, wie es oft in vergangenen Zeiten vermittelt wurde.

 

Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten. Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind.

 

Einen machtvollen Gott, den man deutlich als Gott erkennt wünschen wir uns alle manchmal. Aber es macht auch Angst, denn wir alle sind manchmal auch hochmütig.

 

Er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.

 

Heute würde diese Aussage als radikal gelten! Ob Maria sich heute politisch engagieren würde? Das kann ich mir nicht vorstellen. Für mich ist sie jemand, dem man seine Nöte klagen und um Hilfe bitten kann. Ich glaube, sie kann unsere Anliegen Jesus weitersagen, sie führt uns den Weg zu Jesus.

 

Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen.

 

Gott nimmt Partei für die Menschen, denen Unrecht geschieht. Er steht auf der Seite der Kleinen und Schwachen.

 

Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen, das er unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

 

Wenn es heißt, seinen Nachkommen auf ewig, dann sind auch wir gemeint. Das was Maria erfahren hat, gilt auch uns.

Bild und Text: E. Finkler

 

Liebe Mitchristen,

der russische Schriftsteller Fjodor Michailowitsch Dostojewski hat einmal den Satz geprägt: „Die dienende Liebe ist eine ungeheure Kraft. Sie ist die allergrößte Kraft, und ihresgleichen gibt es nicht.“

 

Die Szene des heutigen Evangeliums (Joh 13,16-20) spielt nach der Fußwaschung im Abendmahlssaal. Jesus hat gerade seinen Jüngern die Füße gewaschen – er hat die Arbeit verrichtet, die sonst die Diener oder Sklaven verrichtet haben. Er selbst lebt und verwirklicht das, was er den Menschen immer verkündet hat und wovon Dostojewski spricht. Gleichzeitig gibt er den Jüngern aber auch noch einen Auftrag mit: „Amen, amen, ich sage euch: Der Sklave ist nicht größer als sein Herr und der Abgesandte ist nicht größer als der, der ihn gesandt hat.“ (Joh 13,16).

 

 

 

Auch unser Auftrag als Christen leitet sich aus diesem Auftrag Christi ab, nämlich die (Nächsten-)Liebe zu leben. Bei dieser gelebten Liebe gibt es keine Hierarchie, keiner ist mehr oder weniger wert. Leider verlieren wir diesen Auftrag in unserem Alltag manchmal aus dem Auge. Überall in unserer Welt können wir Ungerechtigkeit und daraus resultierendes Leid wahrnehmen: Die eigenen Interessen, Ansprüche und Bedürfnisse werden vor die der anderen gestellt. In diesem Sinne können wir auch den Verrat des Judas im heutigen Evangelium interpretieren – er stellt seine persönlichen Anliegen und Interessen vor die der Gemeinschaft und verlässt so Jesu Auftrag, den Liebesdienst zu tun.

 

 

Wie also können wir heute den Auftrag Jesu erfüllen? Indem wir uns an seine Worte erinnern: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40) und Christus selbst im Nächsten begegnen.

 

Seit einigen Wochen sehen, hören und spüren wir ganz viel von der ungeheuren Kraft, die Dostojewski in seinem Sprichwort bezeugt. Da sind z.B. die vielen Pflegerinnen und Pfleger, die sich in Krankenhäusern und Heimen aufopferungsvoll um Patienten und Bewohner kümmern und ihnen Mut machen und Trost spenden. Da sind die Verkäuferinnen und Verkäufer im Einzelhandel, die bis an ihre physische und psychische Belastungsgrenze arbeiten, damit wir alle mit dem Lebensnotwendigen versorgt werden können. Da sind auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Arbeitsagenturen, die versuchen, arbeitsfähig zu bleiben, um die Flut von Anträgen auf Kurzarbeit erledigen zu können und so Existenzen sichern. Und da sind auch viele Studentinnen und Studenten, Jugendliche und andere Freiwillige, die die Nachbarschaftshilfe ausbauen und so älteren Menschen helfen, die alltäglichen Geschäfte zu erledigen. Ich könnte diese Liste noch weiter ausführen.

 

Gerade in dieser Zeit der Krise ergeben sich täglich viele kleine Möglichkeiten, unseren Mitmenschen zu helfen und ihnen in Wort, Rat und Tat zur Seite zu stehen. Vielleicht kann uns dabei das folgende Wort eines Theologen begleiten: „Der Christus im Anderen berührt den Christus in mir.“

Text: Markus Ullmann

Der Regenbogen

 

Am ersten Mai konnte man in vielen Dörfern unserer Region einen Regenbogen beobachten: Ein Naturereignis, das uns Menschen immer wieder in den Bann zieht. An vielen Kindertagesstätten sieht man ein großes Plakat mit einem Regenbogen und oft mit dem Schriftzug „Wir vermissen euch.“ An einigen Fenstern entdeckt man liebevoll gestaltete Bilder mit einem Regenbogen und dem italienischen Spruch „andrà tutto bene“, auf Deutsch „Alles wird gut“.

 

Der Regenbogen ist ein Zeichen der Verbundenheit und der Hoffnung. Und diese Bedeutung hat er schon seit den Zeiten des Alten Testaments. Dort heißt es im Buch Genesis: „Und Gott sprach (zu Noah): Das ist das Zeichen des Bundes, den ich stifte zwischen mir und euch und den lebendigen Wesen bei euch für alle kommenden Generationen: Meinen Bogen setze ich in die Wolken; er soll das Zeichen des Bundes werden zwischen mir und der Erde.“ (Gen 9,12-13). Schon die Menschen dieser Zeit haben den Regenbogen als Bundeszeichen gesehen, als Zeichen der Verbindung Gottes mit den Menschen und der Menschen untereinander. Durch diese Verbindung wird er auch zum Hoffnungszeichen, das uns sagt: „Auch in den Herausforderungen dieser Zeit seid ihr von mir nicht allein gelassen, steht auch ihr einander bei, so gut ihr könnt.“

 

Text: Kai Quirin

Liebe Leserinnen,

 

liebe Leser,

 

die britische Rockband The Rolling Stones, gegründet 1962, gehört zu den langlebigsten und erfolgreichsten Gruppen in der Rockgeschichte. Vor wenigen Tagen, am 23. April, haben die Stones ihren ersten Song seit acht Jahren veröffentlicht: Living In A Ghoast Town (Leben in

 

einer Geisterstadt). Der dazugehörige Videoclip ist auf Youtube veröffentlicht. Innerhalb 48 Stunden erreichte er über 2 Mio. Views. Damit erreichte der Song Platz 1 der itunes-Charts. Der Clip zeigt in beschleunigten Videoaufnahmen einen Zusammenschnitt menschenleerer Innenstädte diverser Weltmetropolen (London, Los Angeles, Kyoto, Paris). Besser könnte ein Song unsere momentane Lage nicht widergeben. Bemerkenswert ist allerdings, dass der Text, verfasst von Mick Jagger (76) und Keith Richards (76) nicht im Zuge der Corona-Pandemie sondern bereits vor über einem Jahr in L.A. entstanden ist. Man könnte es fast „prophetisch“ begreifen, als hätten Jagger und Richards die Katastrohe vorhersehen können. Doch Propheten sagen nicht einfach nur Zukunft voraus, sie sind sensibel genug, Missstände zu erfassen und deutlich darauf hinzuweisen, um so Schlimmeres zu vermeiden, sollte sich das Verhalten der Verursacher nicht ändern. Die Stones wissen, wie wichtig es ist, nicht ein Gefangener zu sein und nicht alleine durch die Welt zu rennen. Obwohl er zunächst kein religiöser Text oder gar ein Kirchenlied beinhaltet, thematisiert der Song grundlegende Säulen unseres Glaubens: Gemeinschaft und Freiheit.

 

Das Alte Testament drückt das in seiner Sprache aus: Gott, der Herr sprach: Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine bleibt! (1Mose 2,18) und das ganze zweite Buch Mose erzählt von der Befreiung des Volkes Israel aus der Gefangenschaft Ägyptens. Zwei wahrhaft biblische Themen, die bis zum Schluss des Neuen Testaments einen roten Faden bilden.

 

Wenn Sie wollen, schauen Sie sich doch einmal den Clip auf Youtube an, oder lesen Sie unten den Liedtext. Ich habe darin entdeckt, dass ich mit meinen Empfindungen oder mit meiner Sehnsucht nicht alleine bin, nicht in einer Geisterstadt lebe!

 

 

 

Herzliche Grüße

 

Heri. Barzen

 

 

 

Das Leben in einer Geisterstadt

Ich bin ein Geist
Der in einer Geisterstadt lebt

Du kannst nach mir Ausschau halten
Aber finden kannst du mich nicht
Du kannst nach mir suchen
Ich musste abtauchen
Das Leben war so schön
Dann wurden wir alle eingesperrt
Ich habe das Gefühl ein Geist zu sein
Der in einer Geisterstadt lebt

Dieser Ort war einst voller Leben
Und die Luft brummte regelrecht
Als würden Becken und Trommeln geschlagen
Gläser zerbrechen
Trompeten schmettern
Saxophone ertönen
Niemand scherte sich darum, ob es Tag oder Nacht war

Ich bin ein Geist
Der in einer Geisterstadt lebt
Ich bleibe, wo ich bin
Eingesperrt und ganz alleine
Es gibt so viel Zeit zu verschwenden
Indem ich einfach nur auf mein Handy starre

Jede Nacht träume ich
Du würdest kommen und in mein Bett krabbeln
Hoffentlich ist das bald vorbei
In dieser Endlosschleife will ich nicht feststecken

Ich bin ein Geist
Der in einer Geisterstadt lebt
Du kannst nach mir Ausschau halten
Aber finden kannst du mich nicht

Wir leben alle in einer Geisterstadt
Leben in einer Geisterstadt
Uns ging es mal so gut
Ich war der begehrteste Junggeselle der Stadt und gehörte nur dir
Jetzt lebe ich in einer Geisterstadt
Und das ist alles andere als witzig
Wenn ich mich amüsieren will
Dann kann ich eine Party für mich schmeißen

 

Text: Richards/Jagger

Bild: H. Barzen

Eine offene Tür ist ein Zeichen der Gastfreundschaft. „Komm doch vorbei, meine Tür steht dir immer offen.“ Einige werden sich vielleicht noch an Zeiten erinnern, in denen die Haustüren immer offen standen. Jeder konnte hereinkommen. Man hatte in den Dörfern viel Vertrauen zueinander. In den letzten Wochen haben wir auch die Erfahrung von verschlossenen Türen machen müssen. Geschäfte, Zoos, Kinos, Schulen, Kindergärten usw. mussten geschlossen bleiben. Zu Freunden und Verwandten auf eine Tasse Kaffee gehen war nicht möglich. Türen blieben geschlossen. Das hat uns alle verändert, wir haben gemerkt, dass verschlossene Türen uns nicht gut tun, dass wir alle darunter leiden.

 

Im Johannesevangelium heißt es: „Ich bin die Tür zu den Schafen.“ Gott hat die Tür geöffnet, indem er in Jesus Mensch geworden ist. Aber in seiner Auferstehung hat er uns Menschen auch die Tür zum Himmel eröffnet: „Ich bin die Tür, wer durch mich hinein geht, wird gerettet werden.“ In diesem Bildwort eröffnet sich die österliche Frohbotschaft. Wer Nachfolge Christi lebt, wird zum ewigen Leben auferstehen. Das ist seine Aufforderung an uns: seinem Wort zu folgen und auf seine Stimme zu hören. Denn im gleichen Kapitel heißt es auch: „Er ruft seine Schafe, die ihm gehören, einzeln beim Namen. Und die Schafe folgen ihm, denn sie kennen seine Stimme.“ Gott kennt jeden einzelnen von uns. Er kennt unseren Namen. Beim Namen gerufen zu werden, ist für Menschen sehr wichtig. Wir sind nicht bloß eine Nummer. Er kennt uns persönlich und interessiert sich für uns. Wir dürfen Gott vertrauen und ihm folgen, denn wir erkennen seine Stimme. Schon im Mutterleib gewöhnen wir Menschen uns an vertraute Stimmen. Wenn eine Mutter mit ihrem Baby redet oder ein Lied singt, wird das Kind sich beruhigen. In der Taufe hat Gott uns beim Namen gerufen. Im „Effata“ hat er uns die Ohren geöffnet und uns bereit für sein Wort gemacht. Diesen Worten dürfen wir vertrauen und folgen.

 

Zum Glück werden die Türen jetzt für uns nach und nach wieder geöffnet, Geschäfte, Spielplätze und Schulen öffnen ihre Türen wieder ein Stück weit. Und auch unsere Kirchentüren gehen wieder langsam auf. Viele Kirchen sind tagsüber zum stillen Gebet geöffnet. Gottesdienste werden in den nächsten Wochen auch wieder in Gemeinschaft möglich sein. Wir brauchen offene Türen, wir brauchen die Gemeinschaft mit anderen Menschen und wir brauchen jemanden, der uns beim Namen ruft. Aber wir sind auch aufgefordert, offene Türen für andere zu haben und unsere Mitmenschen beim Namen zu rufen. Das ist gelebte Nächstenliebe!

Bild und Text: E.Finkler

Liebe Mitchristen,

 

seit einigen Jahren nehme ich in unserer vielfältigen Medienlandschaft einen regelrechten Kampf um den Wahrheitsanspruch wahr. Nicht erst seit der massenhaften Verbreitung von sogenannten „Fake News“ ist zu erkennen, dass nicht nur Politiker, Wissenschaftler, Ökonomen und Lobbyisten, sondern auch das „ganz normale“ Volk darum ringen, sich Gehör zu verschaffen. Seit Beginn der „Coronakrise“ wird das noch einmal verstärkt deutlich, wenn die entsprechenden Personen in Nachrichten, Talkshows und auf allen mögliche Social Media Kanälen ihre Erkenntnisse und Meinungen der Öffentlichkeit kundtun. Hinzu kommen Massen an Verschwörungstheorien zu allen möglichen Themen, die die Medien überfluten. Alle Informationen, so scheint es, erheben Anspruch auf Führung in der Krise, sie wecken Erwartungen und Ängste, versprechen ein besseres Leben, Freiheit und Glück – wenn wir ihnen folgen.

 

Im heutigen Tagesevangelium (Joh 10,1-10), der sogenannten „Hirtenrede“ spricht Jesus vom Hirten und den Schafen, die auf die Stimme es Hirten hören. Jesus greift hier eine Metapher auf, die wir bereits aus dem Alten Testament kennen, denn hier wird Gott der Hirt seines Volkes genannt. Sie alle kennen vermutlich die wunderbaren Verse des Psalms 23: „Der Herr ist mein Hirt, nichts wird mir fehlen. Er lässt mich lagern auf grünen Auen und führt mich zum Ruheplatz am Wasser. (…) Auch wenn ich gehe im finsteren Tal, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab, sie trösten mich.“ (Ps 23,1-2,4.). Vielen Menschen sind dies tröstende Worte, gerade in Zeiten der Unsicherheit. Verheißen sie doch einen Weg zu einem guten Leben.

 

Jesus bezeichnet sich im Evangelium als den (guten) Hirten und sagt somit, dass wir auf seine Stimme hören und ihm folgen sollen, wenn wir das (ewige) Leben haben wollen. Auf seine Stimme hören und seiner Spur folgen – das heißt für mich: ihm zu vertrauen! Wie die Schafe ihrem Hirten vertrauen, wenn er sie ruft und zu ihnen spricht. Auch in unserem Leben kommt es doch darauf an, dass wir Menschen vertrauen können. Dass wir nicht jede Aussage für bare Münze nehmen müssen, sondern sie überprüfen und verifizieren können. Vertrauen ist nicht einfach da, es muss erst erworben und aufgebaut werden und muss sich immer wieder unter Beweis stellen. Darauf kommt es an – sowohl in der Beziehung mit unseren Mitmenschen, als auch in unserer Gottesbeziehung.

 

Wenn wir am heutigen 4. Sonntag der Osterzeit auf Jesu Botschaft schauen, dürfen wir uns verbunden fühlen mit der Gemeinde des Evangeliums. Sie glaubt und weiß, dass Jesus als (guter) Hirt und (Lebens-)Wegweiser mit ihr verbunden ist. Dieses Zeugnis ist und bleibt auch ein gültiges Angebot für uns. Gerade in Zeiten der Unsicherheit und der vielfältigen Wahrheitsangebote sollten wir als suchende und fragende Menschen dem vertrauen, was uns ein gutes Leben ermöglicht. Vielleicht können wir uns, besonders in der Zeit der Krise, wieder mehr ausrichten an dem, was unserem Leben Sinn und Tiefe gibt.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!

Markus Ullmann

 

Bild: Irene Konrad In: Pfarrbriefservice.de

Für Gottes Liebe zu uns Menschen gibt es ein wunderbares Zeichen, den Regenbogen.
"Meinen Bogen habe ich in die Wolken gesetzt, der soll ein Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde" (1.Mose 9,13).
Dieses bunte Farbband am Himmel ist doch eine herrliche Idee Gottes, finde ich.
Gott sagt uns mit diesem phantastischen Zeichen, auch mit Dir habe ich meinen Bund geschlossen, ganz allein, persönlich mit Dir.
Gläubige haben bereits in alter Zeit, den Regenbogenfarben, folgende Deutungen zugeordnet:

- Rot, die Farbe der Liebe, Gott liebt Dich!
- Orange, die Farbe der Hoffnung. Du darfst immer Hoffnung haben!
- Gelb, die Farbe der Ewigkeit. Durch Jesus haben wir eine Zukunft!
- Grün, die Farbe des Wachstums. Gott sorgt für Dich!
- Hellblau, die Farbe der Wahrheit. Gottes Wort ist die Wahrheit!
- Indigo (Dunkelblau), die Farbe der Treue. Gott steht zu seinem Bund!
- Violett, die Farbe der Buße und Versöhnung. Gott vergibt Deine Schuld.

Das Neue Testament hat ein anderes Zeichen für den Bund Gottes, und das
ist das Kreuz. Das Kreuz, an dem Christus gestorben ist, für uns und unsere
Schuld. Es ist ein schreckliches Zeichen, aber durch die Auferstehung, ist es zu einem herrlichen Lebenszeichen geworden.
Damit hat sich die Aussage des Regenbogens erfüllt.

Kreuz und Regenbogen sind Gottes Sinnbilder seiner Liebe für uns.
Danke Herr, für Deine unendliche Gnade für uns Menschen!

Text: gloria10

Bild: Florian Blaes

„Vergiss die Gottesmutter nicht.“

 

So steht es auf einem Wegweiser, der zur Fatimakapelle im Schillinger Wald führt.

 

„Vergiss die Gottesmutter nicht.“

 

Warum eigentlich? Was bringt es Maria, wenn ich an sie denke?

 

Die Antwort kann nur lauten: Nichts!

 

Maria ist bei Gott, sie erlebt seine Gegenwart, wenn ich nicht an sie denke, fehlt ihr nichts und wenn ich an sie denke, hat sie nicht mehr.

 

„Vergiss die Gottesmutter nicht.“

 

Mir kann es helfen, mich an Maria und ihr Leben zu erinnern. In ihr sehe ich eine Frau, die viel Schweres erlebt und mitgemacht hat, in ihr sehe ich eine Frau, deren Leben von einem Moment auf den anderen umgeworfen wurde.

 

Das planbare und beschauliche Leben als Ehefrau des Zimmermanns Josef sollte es so nicht geben. Sei erlebte die Geburt ihres Sohnes unter schwierigen Umständen, sie wurde zum Flüchtling um ihr Kind zu retten. Dinge, die ständig auf der Welt passieren.

 

Maria hat in Sorge um ihren Sohn gelebt, hat nicht verstanden, was er tat, hat ihn nicht mehr verstanden. Wie vielen Eltern ergeht es so?

 

Maria hat ihr Kind leiden sehen, stand am Kreuzweg, stand unter dem Kreuz. Sie hat das wohl Schrecklichste erfahren, was Eltern erfahren können, das eigene Kind zu beerdigen.

 

Sie hat aber auch die Auferstehung erlebt, sie hat mit den Aposteln am Pfingstfest das Kommen des Geistes Gottes gespürt.

 

„Vergiss die Gottesmutter nicht.“

 

Denn, sie ist wie du durch die tiefsten Tiefen eines Menschenlebens gegangen und hat wie du die höchsten Höhen erlebt. Und immer wusste sie Gott an ihrer Seite.

 

K. Quirin

Bild: privat

„Lass uns Kontakt halten!“ So verabreden sich viele Menschen. Heute meinen wir in der Regel damit, dass wir über Telefon, WhatsApp, Skype oder ähnliche Medien miteinander kommunizieren möchten. Aber eines der schönsten Medien ist leider etwas in Vergessenheit geraten: der Brief. Mit einem von Hand geschriebenen Brief zeigt man die Wertschätzung, die man jemandem entgegenbringt. Als Kind hatte ich eine Brieffreundin. Es war immer aufregend, einen Brief zu schreiben und wegzuschicken und dann auf die Antwort zu warten. Meist dauerte es Tage, manchmal sogar Wochen bis endlich ein Antwortbrief im Briefkasten landete. Man brauchte Geduld, aber wenn man ihn endlich in der Hand hielt, konnte man es vor Vorfreude kaum mehr erwarten, ihn zu öffnen.

 

Wenn wir in das Neue Testament schauen, finden wir einige Briefe. Vor allem Paulus hat so Kontakt zu den Gemeinden im Mittelmeerraum gehalten. Im zweiten Korintherbrief wird er als Symbol für die Christen verstanden. Dort heißt es: „Unverkennbar seid ihr ein Brief Christi“ (2 Kor 3,3). Ich finde, das ist ein großes Wort. Denn es bedeutet: Wer mir begegnet, der kann in mir etwas von Christus „ablesen“. Er kann in meinem Sprechen, Denken oder Handeln etwas von Jesus erkennen. So groß denkt Gott also von mir! Ein Wort oder eine Geste kann dann plötzlich viel mehr bedeuten. Wenn ich ein „Brief Christi“ bin, möchte der Auferstandene dann heute durch mich einem Menschen nahe kommen? Was würde er an meiner Stelle sagen? Wie würde er sich verhalten? Und umgekehrt kann auch ich im Anderen einen Wesenszug Jesu entdecken. Was möchte Jesus mir in dieser Begegnung sagen?

 

Österlich leben kann heißen, damit zu rechnen, dass die Zeichen und Möglichkeiten des Auferstandenen noch lange nicht ausgeschöpft sind. Er versendet seine „Briefe“ auch heute.

 

Gisela Baltes drückt es in einem Gedicht so aus:

Lebenszeichen

 

Briefe:

Manchmal

sehnsüchtig erwartete

Lebenszeichen

eines lieben Menschen.

 

Christen:

Immer wieder

sehnsüchtig erwartete

Lebenszeichen

unseres liebenden Gottes.

Liebe Mitchristen,

 

die Menschen, die mich etwas näher kennen, wissen, dass das Singen mein größtes Hobby und meine große Leidenschaft ist. Seitdem ich 5 Jahre alt bin, singe ich ununterbrochen in Chören, viele Jahre auch in mehreren gleichzeitig. Singen im Chor ist für mich ein gutes Mittel, um den Kopf frei zu bekommen und Stress abzubauen. Schöner Gesang berührt mich aber auch im tiefsten Inneren meines Herzens und rührt mich manchmal zu Tränen. Das Schöne am Chorgesang ist aber auch, dass man auf Menschen trifft, die das Gleiche fühlen und dasselbe Anliegen verfolgen. Ja, Singen ist einfach schön, weil man mit seinen Freunden zusammen ist!

 

Der Eröffnungsvers zur heutigen Tagesliturgie ist Psalm 71 entnommen. Hierin heißt es: „Mein Mund ist erfüllt von deinem Lob, von deinem Ruhm den ganzen Tag, meine Lippen sollen jubeln, denn dir will ich singen und spielen.“ (Ps 71, 8.23). Wenn ich diesen Vers lese, kommt mir ein Satz in den Sinn, der wohl auf den Kirchenvater Augustinus zurückgeht: „Wer singt, betet doppelt.“

 

Vielen Sängerinnen und Sängern spricht dieser Satz aus der Seele, denn Singen ist durchaus eine sehr intensive Form des Gebetes. Beim Singen verkündet man nicht nur anderen eine (Frohe) Botschaft, sondern der ganze Körper des singenden Menschen wird ins Schwingen gebracht und quasi von dieser Botschaft wie ein Resonanzkörper erfüllt. Man singt also mit dem ganzen Körper und erlebt somit das Beten noch einmal viel nachhaltiger.

 

Angesichts der Corona-Krise fehlt es vielen Menschen, ihren Alltag durch schöne Gewohnheiten, wie z.B. das Singen, unterbrechen zu können. Alle Chorproben und Konzerte sind, wie alle anderen Veranstaltungen im Bistum Trier, derzeit bis zum 31. August ausgesetzt und abgesagt. Auch in evtl. bald möglichen Gottesdiensten soll vom Gesang weitgehend abgesehen werden, um das Ausbreitungsrisiko des Virus beim Singen zu vermindern. Vielen Menschen macht dieser Umstand sehr zu schaffen.

 

In vielen Dörfern und Städten hat es sich aber schon seit Längerem etabliert, dass Menschen, manchmal täglich, manchmal am Wochenende, zu einer bestimmten Uhrzeit von ihren Balkonen, aus ihren Gärten, aus ihren Fenstern heraus singen oder musizieren, um sich gegenseitig Mut zu machen. Ja, Musizieren verbindet und sagt: „Wir sind nicht alleine in dieser Zeit.“

 

Auch wenn wir zur Zeit (noch) nicht gemeinsam singen und beten können, kann dennoch jeder für sich alleine Gesang zum Gebet werden lassen. Manchmal kann es besonders in schweren Momenten helfen, in mir ein Lied erklingen zu lassen. Dazu laden uns z.B. die Gesänge aus Taizé ein, die vielmals wiederholt werden und so immer mehr verinnerlicht werden. Die Botschaft nimmt sich so Zeit und Raum zum Ankommen. Aber auch unser Gotteslob ist voll von Liedern mit einer bewegenden und heilsamen Botschaft.

Ich lade Sie ein, sich ein Lied auszusuchen, das Sie heute in besonderer Weise anspricht. Und dann singen Sie es! Ich wünsche Ihnen eine gute Sing-Zeit!

Markus Ullmann

Psalm 139 – ein Psalm für das ganze Leben

 

HERR, du erforschest mich und kennest mich. Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege. Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht schon wüsstest. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir. Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht. Denn du hast meine Nieren bereitet und hast mich gebildet im Mutterleib. Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. Es war dir mein Gebein nicht verborgen, / als ich im Verborgenen gemacht wurde, als ich gebildet wurde unten in der Erde. Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war, und alle Tage waren in dein Buch geschrieben, die noch werden sollten und von denen keiner da war. Aber wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so groß! Wollte ich sie zählen, so wären sie mehr als der Sand: Am Ende bin ich noch immer bei dir. Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege. Ps 139, 1-18.23-24

Für den Tag 27.04.20

Ich bin mitten unter euch

 

 

 

Die Kar- und Ostertage waren geschafft. Erleichtert machten zwei Priester gegen Abend eine kleine Wanderung und tauschten sich aus. „Immer weniger Leute kommen zu den Gottesdiensten.“ „Der Urlaub ist ihnen wichtiger.“ „Die Jungen gehen lieber in die Disco.“ Da sahen sie einen Mann auf dem Weg, so um die dreißig. Er schien auf die beiden zu warten. „Vorsicht! Was der wohl will?“ „Heutzutage weiß man nie!“ „Wir tun so, als würden wir ihn nicht bemerken.“ Doch der Fremde trat den beiden Priestern in den Weg. „Darf ich mit euch gehen?“ Kritisch sahen sie in an und sagten dann mürrisch „Ja“. Sie gingen weiter und redeten, als ginge der Fremde nicht neben ihnen. Sie redeten von „Auferstehung“ und „ewigem Leben“. „Wovon reden Sie da?“ Der eine Priester meinte belehrend: „Von Ostern! Von Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag. Und dann ist Jesus…“ „Sind Sie eigentlich ein Christ?“ fuhr der andere Priester dazwischen. „Ich verstehe nur Bahnhof“, sagte der Fremde. Indessen hatten sie eine Gaststätte erreicht und setzten sich an einen freien Tisch. Ein Korb mit Brot stand schon da. Der Kellner fragte: „Was trinken die Herren?“ „Ein Glas Wein für uns drei, bitte.“ Noch bevor sie anstoßen konnten, nahm der Fremde das Brot. Und wie er es in die Hand nahm und auseinanderbrach! Da gingen den Priestern die Augen auf. Da saßen sie, wie war das damals eigentlich im Evangelium von Lukas? Da saßen sie mit Jesus am Tisch! Der Fremde reichte den beiden Priestern ein Stück Brot, hob sein Glas und prostete ihnen zu. Und im Weggehen sagte er: „Wann begreift ihr endlich, dass ich mitten unter euch bin?“ Spontan waren die beiden aufgesprungen, so als könnten sie ihn festhalten. Doch der Fremde war schon verschwunden. Es wäre so schön gewesen, endlich einen handfesten Beweis zu haben…

 

Vor 2000 Jahren waren die Jünger mit Jesus unterwegs, ohne ihn zu erkennen. Würden wir ihn heute erkennen? Sind wir nicht manchmal so mit unserer eigenen Welt beschäftigt, dass für Jesus eigentlich kein Platz mehr ist? Gerade in dieser Osterzeit müssen wir uns neu orientieren, denn unser „normales“ Leben ist einfach nicht möglich. Sehen wir es doch als Chance, mit offenen Augen und Ohren durch die Welt zu gehen! Jesus ist immer mitten unter uns!

 

 

 

Guter Gott,

 

Tag für Tag wird uns neue Lebenskraft geschenkt, weil du in Jesus Christus an unserer Seite bist, oft genug unerkannt. Dafür wollen wir dir heute danken und diese Erfahrung des Glaubens und unseres Lebens mit allen teilen, die uns nahe sind oder unsere Hilfe brauchen. Dann ist jeder Tag wie eine kleine Auferstehung und jeder Schritt führt uns dem großen Ziel näher, zur ewigen Gemeinschaft mit Jesus Christus, unserem Bruder und Freund. Amen.

 

Für den Tag 26.04.20

Liebe Mitchristen,

am heutigen 25. April gedenken wir dem Evangelisten Markus. Viele Legenden und Berichte ranken sich bis heute um das Leben und Wirken des Verfassers des Markusevangeliums, das nach Mehrheitsmeinung der Bibelwissenschaftler das älteste Evangelium ist. Entstanden ist es wahrscheinlich um das Jahr 70 n. Chr. und diente neben anderen Quellen als Vorlage für das Matthäus- und das Lukasevangelium.

 

Wer aber war dieser Markus, den wir heute als Evangelisten verehren? Die frühchristliche Tradition vermutet, dass er ein Mitarbeiter des Paulus und somit ein zum Christentum bekehrter Jude gewesen sei mit dem Namen Johannes Markus. Andere Forschungen sehen in dem Evangelisten Markus einen bekehrten Heidenchristen, der möglicherweise in Rom lebte. Dort hatte er Kontakt zu Petrus, auf dessen Predigten als Grundlage er dann sein Evangelium ebenfalls in Rom verfasst haben soll. Seit dem 4. Jahrhundert berichten altchristliche Quellen vom Märtyrertod des Markus im ägyptischen Alexandria an einem 25. April. Die dort ansässige koptische Kirche verehrt den Evangelisten bis heute als ihren ersten Papst.

 

Das Symbol des Evangelisten Markus ist der (geflügelte) Löwe. Der Kirchenvater Hieronymus, begründete die Zuordnung des Symbols für Markus mit einem der ersten Sätze des Evangeliums: „Stimme eines Rufers in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn!“ (Mk 1,3), wobei „eine laut rufende Stimme in der Wüste“ dem Kirchenvater für eine Assoziation mit dem Löwen ausreichte. Darüber hinaus betont der Löwe aber auch die Kraft der Auferstehung und Todesüberwindung.

 

Das heutige Tagesevangelium (Mk 16, 15-20) bildet den Schluss des Markusevangeliums. In seiner Hauptaussage nimmt es in gewisser Weise noch einmal Bezug auf den Beginn des Evangeliums. „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium!“ (Mk 16,15) ist quasi eine Umschreibung des Satzes: „Bereitet den Weg des Herrn!“ Das Markusevangelium will uns damit sagen, dass mit Auferstehung und Himmelfahrt Jesu die Geschichte des Evangeliums nicht zu Ende ist.

„Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium!“ Diese starke und Kraft schenkende Botschaft dürfen wir uns auch heute zusagen lassen, denn auch wir haben den Auftrag, die gute Nachricht – das Evangelium weiterzugeben. Gerade in diesen Tagen sollen wir den Menschen die Hoffnungsbotschaft überbringen, dass Jesus durch seinen Tod und die Auferstehung der Welt wieder Hoffnung geschenkt hat.

 

Ich lade Sie ein, heute auch Rufer/in und Verkünder/in der frohmachenden und Frohen Botschaft zu sein! Gerade in diesen Zeiten haben wir sie alle nötig!

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Markustag!

Markus Ullmann

Für den Tag, 24.04.20

MARIE LUISE KASCHNITZ

Nicht mutig

Die Mutigen wissen
Daß sie nicht auferstehen
Daß kein Fleisch um sie wächst
Am jüngsten Morgen
Daß sie nichts mehr erinnern
Niemandem wiederbegegnen
Daß nichts ihrer wartet
Keine Seligkeit
Keine Folter
Ich
Bin nicht mutig

 

Marie Luise Kaschnitz, Kein Zauberspruch. Gedichte, Insel

 

 Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 zum Leben, zum Glauben braucht es oft „Mut“. Mutige Menschen trauen sich was zu. Ein „starker Glaube“ lebt durch einen starken Zuspruch und ein starkes Zutrauen. Gerade in diesen seltsamen Zeiten ist es notwendig, dass die Gesellschaft nicht zuletzt durch mutige Menschen mit tatkräftiger Unterstützung zusammengehalten wird. In den Medien wird täglich von den vielen Berufsgruppen und engagierten Menschen berichtet, die sich mutig auch Gefahren aussetzen, um anderen zu helfen. Manchmal ist gar von Helden die Rede.

 

Doch:

wer von uns ist schon ein Held?

Wer von uns besitzt schon einen starken, unumstößlichen Glauben?

 

Das Eigenartige am Glauben ist, dass es eben nicht um Wissen geht. Glauben beinhaltet immer auch den Zweifel, das Nicht-Wissen! Den Menschen in der Bibel geht es da nicht anders.

 

Heute möchte ich Ihnen ein Gedicht von Marie Luise Kaschnitz (1901 – 1974) ans Herz legen. Seit meiner Schulzeit hat sie mich immer wieder bereichert mit ihrer wunderbaren Lyrik. Nicht mutig ist nicht lange vor Ihrem Tod entstanden. Dem mutigen, siebenfachen „Wissen“ setzt Kaschnitz ihr „Ich“ entgegen. Ihr ganzes Erleben bezieht die Dichterin in die österliche Hoffnung mit ein, auch das Himmlische (Seligkeit) und das Höllische (Folter). Ein persönliches Bekenntnis, das Mut macht zu glauben!

 

Herzliche Grüße und eine gute Zeit!

 

Heri. Barzen

Für den Tag, 23.04.20

„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde (Off 21, 1a)“

 

Der bekannte Bibelvers stammt aus der Offenbarung des Johannes. Dieses Buch ist das letzte Buch der Heiligen Schrift. Der Autor schreibt seinen Gemeinden über die Vorstellungen der letzten Tage dieser Welt. Und auch wenn wir so manches schreckensartige Szenario aus der Johannesoffenbarung kennen, so ist im Letzten die Aussage: „Habt Mut und lebt in Zuversicht! Das Ende der Welt heißt, dass Gott kommt.“ Die Endzeit der bekannten Welt, wann immer sie eintritt, kann so ihren Schrecken verlieren. Dem Gedanken an das Ende und die absolute Dunkelheit wird die Hoffnung auf die Unendlichkeit und das vollkommene Licht. gegenübergestellt.

 

Ist uns klar, dass diese Endzeit schon angefangen hat?

 

An Ostern hat sie begonnen. In der Auferstehung macht Gott deutlich, dass unsere Endlichkeit in seiner Unendlichkeit aufgegangen ist. Wir dürfen als endzeitliche Menschen leben in den Herausforderungen, Schwierigkeiten und Schrecken dieser Welt und Zeit.

 

„Dann sah ich einen neuen Himmel und eine neue Erde.“

Für den Tag, 22.04.20

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung

 

In der Osterzeit wird in den Lesungen und im Evangelium nach und nach die Ostergeschichte vorgelesen. Dabei fällt eines deutlich auf: Jesus lässt seine Freunde nicht allein. Ganz gleich wo sie waren, er war bei ihnen: In der Enttäuschung am leeren Grab, in der verschüchterten Runde, die ängstlich die Türen versperrte, im erfolglosen Fischfang am See. Er war immer da und schenkte ihnen Mut. Das machte die Jünger zuversichtlich. Der Evangelist Matthäus schreibt am Ende seines Evangeliums: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28, 20). Welch tolle und unglaubliche Zusage! Er verspricht uns seinen Beistand, immer, zu jeder Zeit an jedem Ort!

 

Die ersten Christen haben das Jesuswort ernst genommen. Sie waren überzeugt davon, dass Jesus sie nicht allein lässt. So waren sie ermutigt, auch in Anfeindungen und Verfolgungen der Sache Jesu treu zu bleiben. Gerade der Blick auf die schwierigen Anfänge zeigt: Jesus machte keine leeren Versprechungen.

 

Aber wie ist das mit uns heute? Vertrauen wir darauf, dass Jesus immer bei uns ist und uns zur Seite steht? Diese Hoffnung kann uns gerade in diesen schwierigen Wochen helfen und Mut geben. Auch wenn wir nicht darauf achten und nicht damit rechnen, ist Jesus in unserer Nähe. Aber wenn wir offen dafür sind, können wir seine Gegenwart spüren. In jedem kleinen, alltäglichen Glück, in einer schönen Melodie, in einem guten Gespräch, einem lang ersehnten Gruß, in der Schönheit der Natur oder einem Friedensangebot. Das Lied „Manchmal feiern wir mitten im Tag“ (GL 472) bringt das sehr schön zum Ausdruck:

 

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.

Stunden werden eingeschmolzen und ein Glück ist da.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.

Sätze werden aufgebrochen und ein Lied ist da.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.

Waffen werden umgeschmiedet und ein Friede ist da.

Manchmal feiern wir mitten im Tag ein Fest der Auferstehung.

Sperren werden übersprungen und ein Geist ist da.

Ganz unverhofft kommt Jesus in unsere Mitte. Wenn wir es zulassen und offen für ihn sind, sind wir bereit für Glück, Frieden und alles Schöne im Leben. Dann ist unser Leben ein Fest! In einem kleinen Moment spüren wir die Hoffnung der Auferstehung und können Mut schöpfen. Österlich leben kann bedeuten, heute mit dem Auferstandenen zu rechnen!

 Text: E. Finkler

Liebe Mitchristen,

während ich diese Zeilen schreibe, braust draußen ein böiger Wind über die Osburger Höhen. Seitdem ich Anfang des Jahres hierher gezogen bin, habe ich das Gefühl, dass bisher an keinem anderen Ort, an dem ich bisher gewohnt habe, so viel Wind ging wie hier. Es kann sein, dass ich mich täusche, aber ich habe ständig den Eindruck, dass hier der Wind weht, wo er will.

Diese Begebenheit schafft eine Verbindung zum heutigen Tagesevangelium (Joh 3, 7-15), denn auch hier schreibt der Evangelist Johannes in Vers 8: „Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.“ Das Wort für „Geist“ kann im Hebräischen und ebenso im Griechischen auch „Wind“ bedeuten.

Daher kann man durchaus den Geist Gottes mit dem Brausen des Windes vergleichen. Wie der Sturmwind, so ist auch der Geist unberechenbar in seiner Wirkung. In einem Neuen Geistlichen Lied von Ludger Edelkötter heißt es dementsprechend „Dein Geist weht, wo er will“. Ja, wenn der Geist wirklich weht, wo er will, dann müssen wir stets damit rechnen, dass etwas Unvorhergesehenes, etwas Unerwartetes, etwas Neues aufbrechen und geschehen kann.

Wenn wir als Christen getauft werden, dann wird uns die schöpferische, Leben spendende Kraft, eben dieser der Geist Gottes zugesagt. Als geisterfüllte Menschen, die wir ja nach der Schöpfungsgeschichte sind – „Da formte Gott, der Herr, den Menschen, Staub vom Erdboden, und blies in seine Nase den Lebensatem. So wurde der Mensch zu einem lebendigen Wesen.“ (Gen 2,7) – dürfen und müssen wir also stets mit Überraschungen rechnen.

Der Geist Gottes und der Geist der Menschen stehen nicht unverbunden nebeneinander, denn der Menschengeist stammt aus dem Gottesgeist. Gott ist der Herr aller Lebensgeister vom Beginn unseres Lebens bis hin zum Tod. In allen Lebensphasen, in allen Zeiten und Bereichen unseres Lebens weht und wirkt Gottes Geist, einmal vielleicht mehr, ein andermal vielleicht weniger.

Gerade in diesen Tagen der Coronakrise habe ich das Gefühl, dass der Geist Gottes in vielen von uns wieder verstärkt weht. Ich habe das Gefühl, dass dieser Geist uns in einer, vorher vielleicht nicht gekannten, guten Weise belebt und uns näher zueinander und zu ihm bringt. Vertrauen wir ihm und lassen wir uns von ihm leiten – heute, morgen und darüber hinaus.

Ich wünsche Ihnen heute einen geisterfüllten Tag. Lassen Sie sich von ihm überraschen!

 

Text: Markus UllmannBild: Gleitschirmflieger kurz nach dem Start über den Oberstdorfer Alpen © Markus Ullmann

Der Mann,

der das Kreuz trägt

 Liebe Leserinnen, liebe Leser,

an den Karnevalstagen war ich in Belgien und habe u. a. auch Antwerpen besucht. In der dortigen Kathedrale hat mich eine Skulptur des belgischen zeitgenössischen Künstlers Jan Fabre ins Staunen versetzt. Die Darstellung trägt den Namen „Der Mann, der das Kreuz trägt“ und stammt aus dem Jahr 2015. Ich wollte mir eigentlich Werke von Rubens, für die die Kathedrale bekannt ist, anschauen, doch zunächst zog mich diese auffallende Figur in ihren Bann.

 

Auf dem Bild sehen wir einen gut gekleideten Menschen, der mit Leichtigkeit ein Kreuz trägt, es gleichsam wie ein Künstler balanciert. Schwerkraft und physikalische Gesetze  scheinen aufgehoben zu sein.

 

Kreuz und Mann sind aus Bronze, hochglanzpoliert, der Kirchenraum und die umstehenden Personen spiegeln sich in dem Kunstwerk wie vergoldet wider.

 

Das Bild hat mich die ganze Fastenzeit über begleitet und tut es jetzt auch in der Osterzeit.

 

Wenn wir in die Evangelien schauen, erfahren wir von zwei Männern,  die das Kreuz tragen: Jesus und Simon von Cyrene. Letztgenannter musste das Kreuz mittragen. Er hat damit Jesus ein Stück Schwere abgenommen. Es war wohl eher ein grausames Schleppen als ein Tragen.

 

Bei Fabre scheint „tragen“ eher falsche Verbindungen hervorzurufen. Die Schwere ist aufgehoben. Es scheint leicht wie eine Feder zu sein, golden glänzend wie die aufgehende Sonne. Und dennoch: es ist und bleibt ein Kreuz, und es muss im Tragen zumindest balanciert werden. Eine artistische, eine künstlerische Leistung.

 

Auch wenn es nicht das ursprünglichste Symbol ist, Christen ist das Kreuz wohl bekannt, und es steht wie kein anderes Bild  für den Glauben an den, der es schleppen musste und daran gestorben, vor allem aber auferstanden ist. Das wird uns jedes Jahr an Ostern verkündet.

 

Letztlich tragen  wir alle ein Kreuz, so, wie jeder auch seine  eigene ganz persönliche Passionsgeschichte mit sich trägt.  Gerade in diesem Jahr ist das Kreuz nicht weg zu diskutieren. Vielleicht kann unser Glaube es leichter werden lassen, es golden und glänzend erscheinen lassen. Vielleicht fordert das österliche Kreuz uns heraus, mit ihm zu balancieren, künstlerisch phantasievoll und damit auch schöpferisch umzugehen, es tragen helfen, zu staunen, ....

 

Es gibt ganz, ganz viel, was man entdecken kann. Immer wieder neu und anders und verwandelt und grenzenlos .....

 

Ich lade Sie ein, Eigenes zu entdecken im „Menschen, der das Kreuz trägt“.

 

Herzliche Grüße 

 

Heri. Barzen

Für den Tag, 19.04.2020

Liebe Mitchristen,

 

Heute ist „Weißer Sonntag“.

 

Der Name geht mit größter Wahrscheinlichkeit auf die Tradition des weißen Taufkleides zurück.

 

Die in der Osternacht Neugetauften trugen bis zum Oktavtag des Osterfestes, also dem darauffolgenden Sonntag, in den Gottesdiensten ihr weißes Taufgewand. Am sogenannten Weißen Sonntag trugen sie es zum letzten Mal.

 

In der frühen Kirche war Ostern der Tauftermin im Jahr. Denn Ostern, das Fest der Auferstehung und die Taufe hängen auf das Engste miteinander zusammen.

 

An Ostern besiegt Jesus den Tod und öffnete den Weg zum Leben. In der Taufe stirbt der Mensch mit Christus und steht zugleich wieder mit ihm auf. Die Taufe vermittelt und schenkt das Leben, das durch die Auferstehung in die Welt kam.

 

Darum will gerade die Osterzeit uns an unsere Taufe erinnern, denn in der Taufe wurden wir in das Leben Gottes hineingetaucht.

 

So erleben wir in der Quelle der Taufe unser ganz eigenes Ostern.

Für den Tag, 18.04.20

„Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ (Mk 16,15) Mit diesen Worten fordert Jesus die Jünger nach seiner Auferstehung heraus. Sie möchten nicht glauben, dass er wirklich auferstanden ist. Sie sitzen zusammen, aber sie sind verzweifelt und mutlos. Und in diese Mutlosigkeit bricht Jesus herein und fordert sie auf: Geht in alle Welt! Berichtet allen Menschen, damit Friede und Hoffnung einziehen können!

 

Diese Hoffnung brauchen auch wir heute noch. So wie der Glaube der Jünger zunächst klein war und in Begeisterung und Mut umgeschlagen ist, so brauchen auch wir manchmal einen zündenden Funken, um wieder Hoffnung zu schöpfen.

 

 Wenn dein Glaube

… klein ist wie ein Weizenkorn

… verborgen ist wie die Raupe im Kokon

… bescheiden ist wie die Blume im Feld

… gesucht wie die Drachme im Haus

… unbekümmert wie ein Spatz auf dem Dach

… verloren wie ein Schaf

… bescheiden wie eine kleine Quelle

 

So wird er doch

… frei wie ein Schmetterling

… schön wie die Blume im Gras

… gefunden wie ein Schatz

… getragen wie das Lamm

… fröhlich wie die Vögel am Himmel

 

Dein Glaube wird

… zum Quellgrund

… zum Brot für Hungernde

… zum Wein des Glücks.

Tex: E. Finkler

Foto: privat

Für den Tag: 17.04.20

Hab‘ Vertrauen!

Liebe Mitchristen,

am kommenden Sonntag feiern wir den „Weißen Sonntag“. In der katholischen Kirche feiern wir traditionell an diesem Tag die feierliche Erstkommunion der Kinder.

 

Nach dem Konzil von Trient (1545 – 1563) bürgerte sich allmählich eine gemeinsame Vorbereitung der Kinder auf den Empfang der Kommunion ein. Der Weiße Sonntag etablierte sich ab dem 17. Jahrhundert als bevorzugter Termin für die Feier der Erstkommunion, erstmals 1661 in München. In den früheren Jahrhunderten empfingen Kinder und Säuglinge die Kommunion bereits zusammen mit der Taufe, so wie wir es heute noch bei der Taufe von Jugendlichen und Erwachsenen kennen. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Termin für die ganze katholische Kirche verbindlich, seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sind aber auch andere Termine möglich.

 

Diese schöne Tradition der Erstkommunionfeier am Weißen Sonntag muss in diesem Jahr aufgrund der „Coronakrise“ leider ausgesetzt, bzw. verschoben werden. Alle 72 Kommunionkinder unserer Pfarreiengemeinschaft, ihre Eltern und Familien, sowie auch wir vom Pastoralteam waren und sind über diese Entscheidung sehr traurig, manche sicherlich auch verärgert.

 

Aus diesem Grund hat sich unser Bischof Dr. Stephan Ackermann vor einigen Tagen persönlich in einem Brief an alle Kommunionkinder und Eltern gewandt. So macht der den Kommunionkindern Mut, wenn er schreibt: „Ich verspreche Dir, dass die Feier der Erstkommunion in der Kirche nachgeholt wird. Hab‘ Vertrauen, dass alles wieder gut wird!“

 

Diesem Vertrauen, dass alles wieder gut wird, begegnen wir auch im heutigen Tagesevangelium (Joh 21,1-14) in den Jüngern. In dieser Perikope offenbart sich der auferstandene Jesus den Jüngern am See Tiberias zum dritten Mal. Nachdem sie die ganze Nacht nichts gefischt haben, werfen sie auf Anweisung Jesu, den sie zunächst nicht erkennen, das Netz aus. Und als sie es einholen wollen, ist es so voll, dass sie es nicht einholen können. Sie haben dem „Unbekannten“ vertraut und hatten Erfolg. Im Vertrauen erkennen sie Jesus: „Es ist der Herr!“ (V. 7).

 

Beim gemeinsamen Mahl werden sie wieder an die Gemeinschaft mit ihm erinnert: „Kommt her und esst!“ (V.12) und „Jesus nahm das Brot und gab es ihnen.“ (V.13). Durch ihr Vertrauen wissen die Jünger: Gott lässt uns nicht allein, er ist immer mit und für uns da.

Diese wichtige Botschaft sei auch den Kommunionkindern gesagt, die traurig über die Verschiebung der Erstkommunionfeiern sind. Gott lässt auch uns in dieser schweren Situation nicht allein. Er will und wird uns durch Jesus im Brot des Lebens ganz nahe sein! Haben wir also Vertrauen, dass alles wieder gut wird und wir schon bald mit ihm die Gemeinschaft und die große Danksagung – die Eucharistie feiern könne

M. Ullmann

Foto: privat

FÜR DEN TAG 16.04.20

Wenn ihr euch ändert und werdet wie die Kinder,

 erfahrt ihr in den Himmel...

so lesen wir im 13. Kapitel des Matthäusevangeliums. Liebe Leserinnen, liebe Leser, warum stehen hier die Kinder bei Jesus im Mittelpunkt? Vielleicht, weil sie eine große Phantasie haben, begeistern können und: weil sie in besonders direkter weise der Wahrheit zugetan sind. Kinder sind eben Kinder, sie sind so, wie sie sind, ohne sich zu verstellen oder eine Rolle spielen zu müssen. Ja, manchmal, vielleicht auch öfter, können Kinder uns Erwachsenen in der Tat ein Vorbild sein.

In wenigen Tagen, am Weißen Sonntag, und an den Sonntagen danach wären viele Kinder zur ersten Hl. Kommunion gegangen. Sie haben sich schon darauf vorbereitet und vor allem gefreut. Nun ist alles verschoben, und die Kinder wie die Eltern und wir alle müssen uns in Geduld üben.

Aus diesem eher traurigen Anlass möchte ich heute mal ein Kind sprechen lassen, das schon seine Erstkommunion gefeiert hat und beschreibt, wie das ganze sich angefühlt hat. Ein Lehrer einer Schule in Neapel, Marcello D´Orta, hat seinen Schülerinnen und Schülern das Aufsatzthema gestellt „Berichte über Deine Erstkommunionfeier!“ Aus den gesammelten Aufsätzen des Lehrers Marcello hier die Erlebnisse des kleinen Luciano...

 

Ich habe die Erstkommunion schon gehabt, aber wenn ich

ehrlich sein soll, hat mir nur der mittlere Teil gefallen, weder das Vorher, noch das Nachher, nur die Kommunion.

Vor der Kommunion sind die Gebote, der Katechismus, die Proben in der Kirche: etwas zu viel für ein Kind! Das Fräulein von der katholischen Vereinigung, die sie uns lehrt, ist klein und unsympatisch, deshalb hat sie noch nie einer geküsst. Einmal hat sie mich sogar zum Weinen gebracht.

 

Padre Giacinto ist lieb zu uns, aber der Mesner nicht. Der glaubt, nur weil er die Glocken läutet, ist er Berlusconi, und am liebsten würde ich zu ihm sagen: „Don Luigi, Ihr seid eine absolute Null!“

 

Für mich ist der schönste Augenblick die Kommunion gewesen, wie Jesus in mein Herz gekommen ist: in dem Moment habe ich alle Leute gern gehabt (außer Don Luigi).*

Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Erstkommunion, an Ihre Konfirmation, Firmung oder an einem anderen wichtigen Ereignis, das zu Herzen ging?

Ich wünsche Ihnen allen eine gute und gesegnete Osterwoche!

Ihr Heri. Barzen

 

aus: Marcello D´Orta, Gott hat uns alle gratis erschaffen

Mi. 15.04.20

Für den Tag

Bleib bei uns, denn es will Abend werden: Ist dieses Gebet nicht auch aus unserem Herzen gesprochen? Weil ja die gleiche Not in dieser Weltstunde auch uns bedrängt, die Sorge, dass der Herr von uns gehen, dass er unser Volk und Land und das Abendland verlassen könnte. Wir werden erprobt, ob wir ihn ziehen lassen, weil er uns, die wir das Irdische mehr suchen als das Himmlische, im Grunde ein Fremdling geworden ist, oder ob unser Heilsverlangen, unsere gläubige Liebe wahr und stark genug ist, ihn zum Bleiben zu nötigen“

 

(H. Spaemann).